Da hieß es erst einen großen Hafen voll Lunge oder Voressen bereiten für die Arbeitsleute, die jeden Abend um sieben Uhr an der Küchentür mit ihren Haferln standen und fragten: „Habts heut a Lungl?“
Dann schrieb ich die Speisenkarte.
Bald danach kamen die Kunden aus der Nachbarschaft, meist alte Weiber, und begehrten zu wissen, was sie zum Abend haben könnten: „Freiln Leni, ham S’ heut a Gansjung?“
„Ja, was fallt denn Eahna ei!“ rief ich da. „Jatz, wo s’ so teuer san am Markt! Wos moanan S’, was jatz a Gansjung kostn tät? A Mark ganz gwiß! Mögn S’ vielleicht sonst a Schmankerl? A sauere Leber oder a bachene; oder a bra’ne Haxn, a halbete? A schöns Schweinszüngl is aa da und guate G’schwollne, selbergmachte!“
„Dös mag mei Mann alles net!“ sagte die eine oder andere dann, und ich mußte ihnen weitere Spezialitäten hernennen: „Ja mei, da werds schlecht ausschaugn, wenn der Herr Gemahl dös net mag! Sagn S’ halt, a Hirn, a Herz, a Kottlett, a Schnitzl und a Gulasch ham ma r aa; oder vielleicht mag er an Ochsenmaulsalat!“
Nachdem ich dies alles aufgezählt hatte, kam es freilich auch manchmal vor, daß eine, nachdem sie alles mögliche auszusetzen gehabt und ihr die Leber zu sauer, das Gulasch zu scharf, an der Haxn z’weni dro und das Züngerl z’fett gewesen war, zögernd fragte: „Habn S’ a Lungl aa?“ und um a Zehnerl davon holte, was mich immer sehr zornig machte, so daß ich, wenn sie draußen war, voll Wut zur Küchenmagd sagte: „Schaugts nur grad a so a Büchslmadam o! Wenn s’ a Kottlett um a Zwanzgerl kriagt hätt, wars ihr scho recht gwen, dera Flugga!“
Aber trotz allen Ärgers war ich doch recht gern Herr in der Küche, und als einmal im Sommer die Mutter eingeladen wurde, an der Wallfahrt nach Altötting teilzunehmen, gab ich nicht eher Ruhe, bis sie ja sagte.
Freilich mußte ich nun tüchtig mit anfassen die drei Tage, welche die Mutter nicht da war; doch wurde ich ganz gut fertig und konnte sogar dem Vater noch helfen am Abend, wenn der Hauptandrang an der Gassenschenke war.
Da wurden innerhalb einer Stunde über zwei Hektoliter Bier ausgeschenkt, und die Leute standen mit ihren Krügen an, wie zu Ostern in der Kirche beim Beichten. Der Vater schenkte ein und ich kassierte. Da ging’s: „Frau Bergbauer, a Maß, a Halbe und a Quartl, macht vierazwanzg, sechsadreißg, zwoaravierzg; so — und acht san fufzg und fufzg is a Mark. Dank schö, adie Frau Bergbauer, wieder komma! D’Frau Graf hat dreimal drei; dös macht vierafufzg und sechs is sechzg. Dank schö, adie! Der Kloane kriagt a Halbe; tuas fei net ausschüttn! Herr Nachbar, drei Quartl? Vater, drei! Und a Zigarrn! Derf i s’ glei ozündn? Jatz ham ma achzehn und sechs is vierazwanzg und von gestern zwoa Maß, dös macht nacha zwoarasiebazg. Stimmt ak’rat wie zählt. Adie, Herr Nachbar, dank schö!“ Und so ging’s fort, bis ich wieder in die Küche mußte.
Am nächsten Tag schickte die Mutter aus Altötting eine Karte mit dem Bild der Mutter Gottes und schrieb: „Liebster Josef! Ich bin ganz weck vor lauter schön. Vielle Grüße sendet euch eure treue Mutter Magdalena Zirngibl.“