Da sagte ich leise, indem ich wieder zum Fenster trat und hinabsah: „Der Mühlfranzl war’s. Fensterln hätt er wolln! Und jatz is er tot zwegn mein Trutz!“

In diesem Augenblick rührte sich der vermeintliche Tote, kroch unter der Leiter hervor und hinkte mühsam und halblaut fluchend von dannen.

Nun verließ auch der Max das Zimmer und ich legte mich wieder hin; doch ich konnte nicht mehr einschlafen und nahm mir vor, das Haus zu verlassen. Ich sagte das am Morgen auch der Frau; doch die lachte mich aus und meinte: „Ja, warum net gar! Davonlaufn möcht s’ jatz, anstatt daß s’ an Stolz hätt, wenn si d’Burschn so um sie reißn! Recht zum Narrn haltn tuast’s!“

Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich auch wirklich für diesen vernünftigen Ausweg. Ich ließ mir eifrig den Hof machen und hatte die größte Freude, wenn sich manches Mal der eine oder andere von einem Rivalen zurückgedrängt glaubte und ihm mit der Faust zu beweisen suchte, daß er der Bevorzugte sei.

Der Umstand, daß ich mich in diesem ständigen Kreuzfeuer so tapfer bewährte, ließ mich nicht nur in den Augen meiner Herrschaft groß dastehen, sondern auch in der Gunst unserer Stammgäste, zu denen auch der Benefiziat des Dorfes zählte, höher und höher steigen, und es geschah des öfteren, daß der hochwürdige Herr mich beiseite nahm und mir versicherte, ich sei das tapferste Mädel, das ihm vorgekommen; und als ich ihm einmal sein Bier auf den Tisch stellte, rief er: „Na, wie geht’s, Sie steinerne Jungfrau? Hat sich gestern keiner von Ihren Verehrern erschossen?“ worauf ich lachend erwiderte: „Naa, Herr Hochwürden, aber datränkt hat si scho hi und da oana z’wegn meiner!“

„Was!“ schrie er da voll Schreck und hatte seine liebe Not, den Trunk, den er eben gemacht und der ihm vor Schreck in die unrechte Kehle geraten war, wieder heraufzubringen. „Was, ertränkt?!“

„Ja, aber net im Wasser!“ beruhigte ich ihn und klopfte ihm tüchtig auf den Rücken, bis er nach heftigem Husten wieder zur Ruhe kam.

Als ich etwa zwei Monate im Hause war, erschien eines Nachmittags ganz unverhofft meine Mutter und wollte wissen, wie ich mich führe.

Meine Frau war noch in der Küche, als die Mutter mit den Worten vor sie trat: „’n Tag! I bin d’Mutter von dera da!“ Dabei wies sie mit der Hand auf mich und fuhr fort: „I möcht anfragn, wie sie si aufführt und was s’ Lohn hat!“

Meine Frau entgegnete kurz: „So, Sie sind d’Mutter! D’Leni is recht ordentlich und fleißig und i hab nie a Klag. Was ’n Lohn betrifft, so hat s’ halt zwanzg Mark und ihre Trinkgelder. Dös geht mi übrigens nix o, wie viel dös ausmacht.“