Dies taten sie auch. Pünktlich um die angegebene Stunde fuhr ein Fiaker am Hause vor und heraus sprang mein Hochzeiter und half seinen Eltern beim Aussteigen.
Ich hatte schon vormittags genaue Weisung von der Mutter erhalten, wie ich sie zu empfangen hätte: also eilte ich geschwind von der Wirtsküche auf die Straße, reichte jedem die Hand und sagte: „Guten Tag, Frau Mutter und guten Tag, Herr Vater! Grüß Gott, Herr Benno! Die Mutter hält’s für a große Ehr, daß S’ uns die Freud machen und a Tass’ Kaffee bei uns trinkn. Bitt schön, kommen S’ nur glei mit ’rauf in d’Wohnung, d’Mutter is scho drobn!“
Und nun führte ich alle drei nach der im ersten Stockwerk gelegenen, für den hohen Besuch frisch gestöberten und geschmückten Wohnung, wo die Mutter in ihrem nobelsten Aufputz aufgeregt durch alle Zimmer lief und bald ein Deckerl anders legte, bald ein Stäubchen wischte oder umständlich ihr Spiegelbild betrachtete.
Als sie uns kommen hörte, ging sie mit steifer Würde auf die beiden Alten zu, reichte ihnen mit ausgesucht höflicher Verbeugung die Hand und sagte: „Herr Hasler, Frau Hasler, dös freut mi! Derf i vorausgeh? Kommen S’ nur ’rei in Salon und nehman S’ Platz! ... Herr Benno, mögn S’ net auf’n Divan hintre mit der Leni!“ Und geschäftig rückte sie den Tisch zur Seite und bot jedem seinen Platz an; dann trat sie unter die Tür und rief: „Rosl, an Kaffee ’rei! Nehman S’ dö silberne Plattn zum Kuchn!“
Während sich nun eine lebhafte Unterhaltung über die gleichgültigsten Dinge entspann, betrachtete bald der Vater, bald die Mutter meines Verlobten die protzige Einrichtung des Salons und sie wechselten von Zeit zu Zeit verstohlen Blicke der Befriedigung; und als die Augen des Alten auf das Klavier fielen, fragte er, wer darauf spiele. Die Mutter sagte stolz: „Mei’ Leni kann’s; i hab’s ihr lerna lassn, daß s’amal ihren Mann unterhaltn ko. Geh, Leni, spiel deine zukünftign Schwiegereltern oan auf! Vielleicht an Bienenhausmarsch oder ’s Glühwürmchenidyll, oder was die Herrschaften sonst gern hörn!“
Ich setzte mich an das Instrument und spielte etliche Stücke, wie sie mir gerade einfielen. Da ging die Tür auf und herein kam der Vater, begrüßte die Familie Hasler und sagte: „I hab der Kathi g’sagt, sie soll dö paar Halbe Bier hergebn, die jatz gehn, daß i aa a bisl raufschaugn ko zu dö Herrschaftn ... No, wia steht’s werte Befinden? — Scheene Tag hama allweil jatz. — Warn S’ scho auswärts heuer? — Bei dem warma Weeder macht a jeda a G’schäft vo dö auswärtign Wirt. — Hast no an Kaffee, Muatta?“
Damit setzte er sich und begann von dem zu reden, was bis dahin ein jedes wie auf Verabredung vermieden hatte, von unserer bevorstehenden Heirat.
„Dös hat si ganz unverhofft g’schickt!“ meinte er, zu dem alten Hasler gewendet. „Mir ham’s glei gar net glaabn könna, daß ma d’Leni wirkli scho herlassn solln.“
„Ja, dös is wahr;“ fiel ihm die Mutter ins Wort, „so geht’s zua in der Welt! Will ma selber no net zu dö Alten g’hörn, derweil hat ma scho heiratsfähige Kinder!“
„Oho!“ rief da der Benno. „Jetzt möcht gar d’Frau Zirngibl aa schon vom Alter redn und schaut aus, wie a eiserne Venus, so g’sund und so sauber. Der Zirngiblvater kann stolz sei auf so a Frau!“