Geschmeichelt lächelte die Mutter, und auch der Vater hörte diese Lobrede wohlgefällig an. Die alten Haslerleute aber warfen ihrem Sohn halb ärgerliche, halb verlegene Blicke zu, und es entstand eine kleine Pause, die ich rasch benützte, den Benno zu mir an ein kleines Tischlein zu ziehen, wo ich meine Erinnerungen und Andenken aus der Klosterzeit aus einem kleinen Kästlein kramte. Dabei fielen meinem Verlobten etliche Briefe und Karten auf, die sämtlich die Adresse trugen: An die Jungfrau Magdalena Christ, Kandidatin bei den Josefschwestern zu Bärenberg.

Auf seine Frage, ob die Briefe einer Freundin gehörten, erwiderte ich ihm: „Naa, naa! Dös san lauter Briaf an mi!“

Erstaunt sah er mich an, und auch am Tisch wurde man aufmerksam, so daß ich mich an die Mutter wandte: „Denkn S’ Eahna, Mutter, der Benno woaß net amal mein rechtn Namen!“

Mit hochrotem Kopf saß die Mutter da, und Zorn und Verlegenheit kämpften sichtbar auf ihrem Gesicht, während sie zögernd sagte: „Ja, mei lieber Gott! Dös wissen dö wenigsten Leut, was für a Unglück mi scho in meine jungen Jahr troffn hat; dös erzählt ma net so mir nix, dir nix an jeden, der daher kommt!“

Sie konnte nicht mehr weiter reden; ein heftiges Schluchzen erschütterte ihren Körper, während sie von Zeit zu Zeit einen wütenden Blick zu mir hinüberwarf. Die Familie Hasler aber saß starr und stumm da und blickte fragend von einem zum andern.

Da ergriff der Vater rasch das Wort und sagte: „Da brauchst net z’woana, Muatta; deswegn is dir aa no koa Perl aus da Kro’ g’falln. Und was d’Erziehung und dös ander betrifft, hat si no nie nix g’feit. A jeder ko froh sei, wann er so a Madl zum Heiratn kriagt!“

Erst jetzt begriffen die Haslerischen den Sachverhalt, und die Frau rief mit kläglicher Stimme: „Ja, was is denn net dös! Na is also d’Leni gar net von Eahna, Herr Zirngibl?“

„Naa. Der Leni ihra Vata is damals bei dem großen Schiffsunglück, wo dö englischn Hund den scheena Dampfer Cimbria a so o’gfahrn ham, daß’n glei da Deixl g’holt hat und d’Leut allsam dasuffa san, aa dabei g’wen. Der hat sein Ruah! Und da hab halt i d’Muatta g’heirat.“

Schweigend hatten alle zugehört, und endlich begann der alte Hasler: „No ja; in Gott’s Nam’! Sell isch au di g’fährlichscht Sünd no nit, daß e so e saubre Frau amal was Kloins kriagt! Im übrige ischt’s mir ja ganz gleich, ob’s Mädle lediger Weis’ isch dag’wesa oder von der Eh; d’Hauptsach isch halt, daß sie e aaschtändige Mitgift ei’bringt!“

Jetzt hatte sich auch die Mutter wieder erholt und schilderte nun in beweglichen Worten, wie sie mich ausstatten wolle und daß sie jederzeit da wäre, wenn’s einmal drauf ankäme. Der Vater aber sagte kurz: „Zwegn der Mitgift braucht koa Hochzeiter a Sorg z’habn. D’Leni hat bei dreiß’gtausend Mark Muatterguat und vo ihran Vatern achtausend Mark ausg’machts Geld auf der Bank. Und wenn amal d’Not an sie kam, na war allweil i aa no da; vorläufig kann i ihr allerdings vo mir no nix gebn; dös steckt alls im G’schäft drin.“