Ich ging also in aller Früh schon fort und trat bei der Familie Hasler eben in dem Augenblick in die Stube, als der Benno seinen Hut vom Nagel nahm und in das Geschäft wollte. Als ich berichtete, wie schwer ich von zu Hause fortgekommen sei, meinte er: „Da muß i glei dahoam bleibn, daß ma heut no ferti wer’n; i möcht net habn, daß dei Mutter harb werd.“
Also blieb er bei mir, und wir begannen sogleich unsere Arbeit. Erst stellten wir alles das auf, was in die Schlafstube gehörte, wobei wir beinahe in Streit gekommen wären, da der Benno haben wollte, wir sollten die beiden Betten zusammenrücken, ich sie aber gern getrennt gehabt hätte. Doch gab ich endlich nach, nachdem mich mein Verlobter auf die Worte des Pfarrers: „Das Weib muß dem Mann gehorchen“ hingewiesen hatte.
Gegen Mittag hatten wir ein Zimmer fertig, und ich wollte nun nach Hause gehen zum Essen; doch gaben die alten Haslerleute keine Ruhe, bis ich blieb.
Nachmittags räumten wir dann die Wohnstube ein; doch kamen wir zu keinem Ende, da ein jedes die Dinge nach seinem Kopf gestellt haben wollte. Daher ließ ich den Benno bei seiner Arbeit allein und ging in die Küche, wo Geschirr und Bilder, Möbel und Nippsachen, Spiegel und Stellagen bunt durcheinander standen und lagen.
Nach wenig Stunden wurde es dunkel, und ich war noch nicht einmal zur Hälfte fertig mit meiner Arbeit. Da kam mit einemmal eine große Traurigkeit über mich, und ich setzte mich in einer Ecke auf einen kleinen Hocker und begann zu weinen. Die Unordnung ringsum bedrückte mich, und alles kam mir so fremd und unwirtlich vor und ich empfand plötzlich eine große Furcht vor dem Heiraten.
Währenddem war es ganz finster geworden, und ich stand auf und ging in die Stube, wo ich den Benno gelassen hatte. Da war sie leer. Ich ging in das Schlafzimmer, doch auch da fand ich ihn nicht. Nun wollte ich hinuntergehen zu den Eltern Bennos; da fand ich die Wohnungstür verschlossen und war also eingesperrt. Ratlos stand ich da und wußte nicht, was ich beginnen sollte. Es fiel mir nicht ein, daß ich ja nur ein Fenster zu öffnen brauchte und auf die Straße zu rufen; vielmehr ging ich wieder zurück in die Schlafstube, legte mich auf ein Bett und weinte bitterlich. Da hörte ich aufsperren, und es kam der alte Hasler mit einem Licht und wollte sich unser Werk beschauen. Er erschrak gar sehr, als er mich so trostlos hier fand, und ich erfuhr nun, daß der Benno geglaubt hatte, ich sei im Zorn fortgelaufen, und er hatte deshalb gar nicht weiter nach mir gesehen.
Als ich daher mit dem alten Hasler eine Weile später drunten in die Wohnstube trat, war große Freude über den guten Ausgang dieser Geschichte.
Spät abends brachte der Benno mich nachhause und bat die Mutter, sie möge mich doch noch einen oder zwei Tage fort lassen.
Mit süßsauerem Lächeln erwiderte sie: „Ja, ja, sie kann scho geh vo mir aus; jatz muß i mi alleweil scho dro g’wöhna, ohne Hilf z’sei. Dös is scho was alt’s, daß d’Kinder, wann s’ oan gnua kost’ ham, davolaafn und heiratn!“
Wir bedankten uns für die Erlaubnis, und am andern Morgen machte ich mich wieder auf den Weg, ohne vorher etwas zu essen. Als ich daher von der Frau Hasler zum Kaffee geladen wurde, nahm ich dies gern an, sagte aber, daß ich mittags heim ginge; denn ich befürchtete, es möchte ihr zu viel werden.