Der Benno war schon in aller Früh zu seinem Herrn ins Geschäft gegangen, ihn um Urlaub zu bitten, bis wir eingerichtet wären. Nun kam er, und wir begannen wieder unsere Arbeit. Es ging uns jetzt alles gut von statten, da ich zu müde war, um noch länger zu streiten, und mir vorgenommen hatte, nach der Hochzeit doch alles so zu richten, wie es mir gefiel.
Am Mittag wollte ich dann heimgehen, vorher aber gab es noch ein kleines Unglück.
Mein Hochzeiter war über unsere Arbeit so erfreut, daß er mich mit einem Male um die Hüften faßte, mit mir in der Stube herumtanzte und am Ende mich in die Höhe hob und auf den Divan fallen ließ. Ich hatte schon während des Aufhebens heftig gezappelt und kugelte nun beim Fallen vom Divan herab und gerade hinein in einen schönen, großen Spiegel, den ich kurz zuvor darangelehnt hatte. Er ging in Scherben, und es kostete mich nicht geringe Mühe, aus dem Rahmen, in dem ich saß, herauszukommen. Die Holzwand war durchgebrochen und die beiden goldenen Amoretten, welche den Rahmen zierten, standen nun auf meinem Rücken und hielten mit Anmut das goldene Wappen. Der Benno war erst wie erstarrt; als ich aber unter großem Jammer begann, mich von der unbequemen Einrahmung zu befreien, brach er in so lautes Gelächter aus, daß ich in heftigsten Zorn geriet und schwur, ich würde ihm den ganzen Spiegel an den Kopf werfen, wenn ich nur erst heraußen wär. Zum Glück hatte ich keine Verletzung davongetragen, und als mir der Benno herausgeholfen hatte und sich nun selbst hineinsetzte, um mir das komische Bild zu zeigen, da mußte auch ich lachen. Die alte Haslermutter freilich war sehr erschrocken, als sie’s vernahm, und prophezeite uns, daß wir nun sieben Jahre kein Glück hätten, worüber ich wieder hellauf lachen mußte. Ob nicht doch ein Körnlein Wahrheit in dem Worte lag?
Mein Verlobter begleitete mich heim und trat gleich in das Gastzimmer, um rasch ein Glas Bier zu trinken; ich aber ging in die Küche. Als ich die Mutter grüßte, dankte sie mir nicht und fragte nur: „Was willst?“
Ich sagte, daß ich zwar zum Essen geladen worden wäre, es aber ausgeschlagen hätte. Da schrie sie: „Also was z’essen möchst! Sonst fallt dir nix ei! Dös war no dös schönere; an ganzn Tag rum z’vagiern und dahoam ’s Essen z’verlangn! Nix da! Wannst net bei mir arbatst, hast aa nix z’fordern von mir. Laß di nur von dö Haslerischen fuattern!“
Ich gab ihr keine Antwort mehr darauf, sondern lief in die Gaststube und sagte mit vor Erregung heiserer Stimme zum Benno: „Komm, gehn ma! Rasch!“
Auf der Straße erst erzählte ich dem aufs höchste Erstaunten und Erbitterten den Vorfall.
Als wir nachher bei seinen Eltern zu Tisch saßen und ihnen berichtet hatten, wie es mir ergangen, da meinte der alte Hasler: „So was isch aber do scho ganz aus dr Weis’! Da mögscht ja glei e Narr wera! Was ha i dr g’sagt, Benno; da hascht es jetzt. I ha’s ja allweil g’sagt: e Mädla aus’m Gaschtlokal isch e Stückle vom a Saustall! Jetzt ka’scht luadrige Tag grad gnua kriege. Am brävschte wär’s halt, wenn d’heut auf d’Nacht hi’fahrn tätsch’ und alls rückgängig mache!“
Da sprang der Benno auf und schrie überlaut: „So! Was fallt dir denn ei, Vater! Was kann denn ’s Madl dafür, daß s’ so a narrische Muatta hat! Naa, so viel Ehrenmann bin i allweil no, daß i woaß, was si g’hört! I heirat, und geht’s wie’s mag!“
Nun mischte sich auch die alte Mutter in das Gespräch: „Gar so unrecht kann i ja der Frau Zirngibl net gebn, Vater; du mußt allweil bedenkn, daß d’Leni ledi is!“