YGES:
Ihr soziales Gewissen muß sehr schwach sein, wenn es Ihnen gestattet, Ihre Pflichten der „Zeit“ gegenüber zu vernachlässigen. Die „Zeit“ hat nur ein Interesse an Ihrem Arbeitswert, und den Anspruch darauf gestehen Sie ihr zu. Wie wollen Sie es begründen, daß Sie ihn ihr nehmen? (Rainer schweigt.) Sie wollen nicht mein Schüler sein. Aber zu meinem Gegner sind Sie noch nicht geworden. Sie haben mich um den Genuß einer Laune verkauft. Ein Abtrünniger sind Sie, der seinen Verrat legitimieren will. Aber eine Genugtuung habe ich, daß Sie jetzt zerplatzen an Möglichkeiten! — Wollen Sie den Tag von heute durchstreichen und sich selbst belügen, daß nichts geschehen sei? Es wird Ihnen nicht schwer fallen. Oder wollen Sie unwahr ehrlich sein und sich erschießen? Aber ihre Freunde werden Sie verachten, daß Sie über Ihren Arbeitswert den ethischen setzen. Oder wollen Sie den „Prolog“ wieder herausgeben? Aber Sie werden keine Mitarbeiter finden. Oder wollen Sie mein Sklave werden? — Wollen Sie das? — Sie haben die Wette nicht verloren — wenigstens nicht juristisch, wenn auch dem Sinn nach. Meine Behauptung, daß Sie unsere Ehe brechen würden, sollte ja nur ein Beispiel dafür sein, daß Sie es nicht unterlassen werden, mich, wo es nur dankbar ist, zu ärgern, zu schädigen, zu verleumden und zu bespotten. Ich habe vergessen, daß Sie mich auch töten könnten. Um Ihrer Verpflichtung zu entschlüpfen, haben Sie eine Hintertür gefunden. Ich überlasse es Ihnen, sie zu benutzen.
JEANNE (steht auf):
Komm, Rainer, wir gehen!
YGES (beherrscht sich durch ein Lächeln):
Wie gut, daß Sie es sich erst dreimal verbeten haben, daß ich Sie verdächtige! Beim vierten Male behalte ich desto sicherer recht!
RAINER (tonlos):
Ihre Frau hat mich geküßt, und dann sprach sie von einem Prinzen . . .
JEANNE (zeigt Rainer ihre Verachtung).
YGES (sehr ruhig):