»Wer denn?« fragte Demba.

»Zwei Herren, die ausnahmsweise nicht zu einer Tarockpartie zu mir kommen.«

»So!« sagte Demba. »Was haben Sie denn wieder angestellt, heut nachts?«

»Ich kann mir nicht helfen. Im Frühjahr werd' ich immer stössig. Das könnten die Leut' schon wissen und sich ein bißchen in acht nehmen.«

Es waren aber wieder nicht die beiden feierlichen Herrn, sondern nur der Postbote, der einen Brief und eine Karte brachte.

»Sie entschuldigen,« sagte Gegenbauer und begann zu lesen.

Demba hatte, ehe er an Gegenbauers Türglocke läutete, einen Feldzugsplan entworfen. Sich einfach von Gegenbauer Geld leihen, das wollte er nicht. Nie im Leben hätte er eine Bitte dieser Art über die Lippen gebracht. Nein. Das Geld mußte ihm von Gegenbauer angeboten und aufgedrängt werden. Er hatte ihm vor einiger Zeit Kollegienhefte geliehen. Vorlesungen, die Demba im Hörsaal sorgfältig mitstenographiert und zu Hause mit Bienenfleiß in Schönschrift übertragen hatte. Sie stellten einen ziemlichen Wert dar und Demba hoffte zuversichtlich, daß Gegenbauer die Hefte längst verloren oder als unnütz fortgeworfen haben werde. Denn Gegenbauer war niemals im stande gewesen, Entliehenes aufzubewahren, dagegen aber immer bereit, für Schaden, den er angerichtet hatte, in generöser Weise aufzukommen. Darauf hatte Demba seinen Plan gegründet.

»Ich bin eigentlich gekommen,« begann er, als Gegenbauer den Brief auf den Tisch warf, »ich bin nur gekommen, um zu fragen, ob Sie die Hefte noch brauchen, die ich Ihnen im Dezember geliehen hab'.«

»Welche Hefte?« fragte Gegenbauer zerstreut.

»Die Vorlesungen Steinbrücks über das römische Kunstepos –«