»Mir gehört das nicht,« sagte er zu dem Polizisten und gab sich Mühe, daß seine Stimme nicht allzusehr zitterte.

»Ist Ihnen das Kuvert denn nicht aus der Tasche gefallen?« fragte der Wachmann erstaunt.

»Mir nicht,« sagte Stanislaus Demba.

Kopfschüttelnd besah der Wachmann das Kuvert. »Dann kann es nur der Herr drüben verloren haben.«

Er ging auf einen Passanten zu, der kurz vor Stanislaus Demba die Straße überquert hatte und nun vor dem Schaufenster eines Kravattengeschäftes stand.

Der Wachmann salutierte und der Herr vor dem Schaufenster zog höflich seinen englischen, steifen Hut. Der Wachmann hielt ihm das Kuvert hin und sprach ein paar Worte und der Fremde hörte ihn mit Aufmerksamkeit an. Dann sah Demba, wie der elegante Herr die Silberkrücke seines Malagarohres an den Arm hängte, dem Wachmann das Kuvert aus der Hand nahm und die Banknoten zählte. Wie er ein in Leder gebundenes Notizbuch aus der Tasche hervorholte, die Banknoten sorgfältig hineinlegte und das Buch in seiner Brusttasche verwahrte.

Und wie er dann dankend den Hut zog und sich gemessenen Schrittes entfernte.

13

Herr Kallisthenes Skuludis trat in das große Herrenmodewarengeschäft auf dem Graben ein und ließ sich von der Verkäuferin Krawatten zeigen. Er prüfte die einzelnen ihm vorgelegten Stücke mit Sorgfalt und Kennerschaft, warf die Bemerkung hin, daß er sich die Auswahl größer vorgestellt habe und daß man etwas wirklich Neues und zugleich Geschmackvolles in letzter Zeit nicht mehr zu sehen bekäme und entschied sich schließlich für eine orangefarbene Krawatte aus schwerer, schillernder Seide, die er sich zu zwei anderen, schon vorher in anderen Geschäften erstandenen Stücken, in Seidenpapier einschlagen ließ.

Nicht ganz befriedigt von seinem Einkauf trat er auf die Straße. Es war das dritte Geschäft dieser Art, das Herr Skuludis heute nachmittag mit seinem Besuche beehrt hatte. Man möge aber nicht glauben, daß er einen besonders dringenden Bedarf in diesem Artikel zu decken hatte. O nein, Herr Skuludis besaß eine beinahe lückenlose Sammlung von fast sechshundert Krawatten in allen Ausführungen und Farbennuancen, in der alle Formen, von der einfachen weißen Frackschleife an bis zu den Exemplaren von der feurigen Farbenpracht eines Topaskolibris vertreten waren. Aber eine Schwäche des Herzens, die jeder Verlockung eines schön ausgestatteten Schaufensters wehrlos erlag, drängte ihn immer wieder zu neuen Ankäufen.