Und jetzt stand der Wachmann vor ihm und maß ihn mit den Augen und eine Sekunde lang sprach er kein Wort, als ob er ausholte zum Stoß. Demba fühlte, daß er im nächsten Augenblick niederbrechen werde. Und jetzt, jetzt kam's.
»Sie haben etwas verloren, Herr,« sagte der Wachmann höflich.
Demba verstand nicht gleich.
»Haben Sie nichts verloren?« wiederholte der Wachmann.
Langsam fand Demba sich zur Welt zurück. Sprechen konnte er nicht, er schüttelte nur den Kopf.
»Ist Ihnen nichts aus der Tasche gefallen?« fragte der Wachmann nochmals.
Demba sah ein weißes Kuvert in den Händen des Polizisten, aber es gelang ihm nicht, einen Gedanken damit zu verbinden. Er fühlte nur, daß er wieder atmen konnte und sog in langem Zug die Luft ein. Irgendein schwerer Druck löste sich und wich aus seiner Herzgegend. Und jetzt dämmerte es ihm auf, daß das Kuvert in den Händen des Polizisten das Geld, sein Geld enthielt, daß er es verloren hatte, und daß er es zurückhaben müsse.
»Natürlich, das gehört mir,« wollte er sagen, aber im gleichen Augenblick stieg ihm ein furchtbares Bedenken auf.
Er konnte es nehmen. Gewiß. Er konnte das Kuvert geschickt und nonchalant mit den Fingerspitzen fassen, dem Wachmann wird das vielleicht gar nicht auffallen. Aber damit war die Sache ja nicht zu Ende! Um Gotteswillen, dann mußte er mit ins Kommissariat, mußte seinen Namen nennen, Erklärungen abgeben, irgend etwas unterschreiben, und auf dem Tisch des Polizeikommissärs lag vielleicht schon die Personsbeschreibung. Der Polizeibericht von heute morgen: Junger, etwa fünfundzwanzigjähriger Mensch, anscheinend den besseren Ständen angehörend, groß, kräftig, rötlicher Schnurrbart, – und der Kommissär faßt mich ins Auge, wirft wieder einen Blick in die Personsbeschreibung, sieht mich wieder an –
Stanislaus Dembas Entschluß war gefaßt. Er verleugnete sein Geld.