»Sie behaupten also, daß ich auf unrechtmäßige Weise in den Besitz dieses Geldes gekommen bin?« fragte er in scharfem Ton.

Demba ließ sich nicht einschüchtern. »Jawohl, das behaupte ich,« gab er ebenso scharf zurück.

»Und Sie behaupten weiters, daß das Geld Ihnen gehört.«

»Jawohl. Es gehört mir.«

»Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als den ungeklärten Fall dem nächsten Wachmann vorzutragen,« sagte Herr Skuludis mit verbindlichem Lächeln und erhob sich, um anzudeuten, daß die Verhandlungen an einem toten Punkt angelangt seien.

»Das wird das beste sein,« sagte Demba, sehr gegen seine Überzeugung.

Also doch ein Detektiv – dachte Herr Skuludis. Mit seiner Drohung war es ihm keineswegs ernst. Er legte, um die Wahrheit zu sagen, nur geringen Wert auf die Heranziehung der Sicherheitswache zu schiedsrichterlicher Tätigkeit. Er hatte unter den Funktionären der Polizei etliche gute Bekannte – das brachte sein Beruf mit sich –, denen seine Anwesenheit in Wien vorläufig noch ein streng gehütetes Geheimnis bleiben sollte. Auch trug er in seiner Rocktasche zwei goldene Uhren, ein Anhängsel, zwei Kravattennadeln und vier Brillantringe – kleine Ergebnisse seiner letzten Fahrt im Speisewagen des Eilzugs Wien-Budapest – bei sich, deren Verwertung ihm sehr am Herzen lag. Eine Mitwirkung der Polizei bei dieser Transaktion wäre ihm im höchsten Grade ungelegen gekommen.

»Zahlen!« rief Herr Skuludis, und beglich seine Zeche boshafterweise mit einer der Banknoten aus dem Kuvert, auf die Demba seine Ansprüche erhoben hatte. Dieses Vorgehen machte auf Demba den denkbar schlechtesten Eindruck und versetzte ihn in hellen Ärger.

»Das Geld scheint Ihnen wahrhaftig gelegen gekommen zu sein,« bemerkte er bissig.

Herr Skuludis sah an dieser unzarten Bemerkung mit Schmerz, daß Demba nicht die Umgangsformen der großen Welt besaß. Aber Ruhe und Selbstbeherrschung gehörten zu seinem Berufe, und er begnügte sich, seinen Gegner mit einem verächtlichen Blick zu messen.