»Haben Sie die Wirkung des Haschischs auch am eigenen Leib erprobt?« fragte der Hofrat.
»Ja. Aber nur einmal. Ich sah einige Arabesken sinnlicher Natur und bekam Magenbeschwerden.« Professor Truxa war hinsichtlich des Gummiballs zu einem Entschluß gelangt. Er säuberte ihn mit seinem Rockärmel sorgsam von Lehm- und Sandspuren, blies einige Staubkörnchen weg und legte ihn dann behutsam auf den Kiesweg zurück. Der kleine Junge stürzte sich sofort auf sein Eigentum und machte sich mit einem Triumphgeheul aus dem Staube.
Die beiden Gelehrten setzten ihren Weg fort. Sie waren jetzt in dem weniger belebten Teil des Parkes angelangt. Der Kiesweg, durch dichtes Buschwerk zu beiden Seiten in einen Fußweg verengt, führte sie zu ihrem Lieblingsplätzchen, der hinter einer sandsteinernen Gruppe – Kinder, die mit einer Rehkitz spielten – und Gesträuch verborgenen und von zwei Akazien beschatteten Bank.
Auf der Bank saß Stanislaus Demba.
Er war beim Frühstück. Er saß vornüber gebeugt, den Kopf in die Hände gestützt und kaute. Der Rest des Butterbrots und eine Anzahl Wurstscheibchen lagen neben ihm auf der Bank. Sein hellbrauner Überzieher schien ihm jetzt als eine Art Serviette zu dienen. Er hing ihm vom Hals herunter, wie ein Theatervorhang, und verbarg Brust, Hände, Arme und Beine hinter seinem Faltenfluß. Die langen, leeren Ärmel flatterten im Wind.
Der Hofrat und der Professor trafen ihre Vorbereitungen. Die Bank war feucht und nicht sehr sauber. Professor Truxa suchte in seinen Taschen nach einer Unterlage und entschied sich, als er nicht gleich etwas Passendes fand, mit der raschen Entschlossenheit, die diesen Gelehrten in großen, wie in kleinen Dingen kennzeichnet, dafür, dieser Verwendung die Korrektur- und Manuskriptbögen zuzuführen, zu deren Durchsicht der heutige Vormittag bestimmt war. Nur der Geistesgegenwart des Hofrates, der noch im letzten Augenblick die kostbaren Papiere dem Freunde entriß, war es zu danken, wenn ein nicht wieder gutzumachender Schaden verhütet wurde.
Cyrus wurde mit der Leine an die Banklehne gebunden und dafür vom Maulkorb befreit. Dann nahmen die Herren Platz.
Stanislaus Demba schien die Ankunft der beiden Gelehrten als lästige Störung zu betrachten. Er hörte zu essen auf, hob den Kopf und biß sich verdrießlich in die Lippen. Er schien enttäuscht, als er sah, daß Vorbereitungen zu längerem Aufenthalt getroffen wurden, stand auf und wandte sich zum Gehen. Da fiel sein Auge auf das Butterbrot. Er zögerte, blieb eine Weile unentschlossen stehen und ließ sich dann resigniert wieder auf die Bank nieder.
Hofrat Klementi und Professor Truxa hatten ihre Manuskriptbögen geordnet und zurechtgelegt, machten sich Notizen und tauschten halblaute Bemerkungen. Ein paar Minuten vergingen, dann wurden sie in ihrer Arbeit gestört.
»Würden Sie vielleicht die Güte haben, Ihren Hund zu sich zu rufen?« sagte Demba mit einem unangenehmen Lächeln zum Professor, der ihm zunächst saß.