»Ich bin gar nicht danach angezogen.«
»Aber keine Umstände!« Elly öffnete die Zimmertür. »Noch ein Besuch!« rief sie hinein.
»Ein Tänzer?« fragte das eine der beiden jungen Mädchen.
»Leider nein,« sagte Demba in der Tür.
»Tänzer ist er keiner. Aber deklamieren wird er uns etwas,« sagte Elly und stellte vor. »Doktor Stanislaus Demba. – Meine Freundin Viky, meine Freundin Anny.«
Weder Fräulein Viky noch Fräulein Anny schienen entzückt zu sein, Stanislaus Demba kennen gelernt zu haben, der allerdings in seiner alten, vom Regen durchnäßten Pelerine, die er nicht abgelegt hatte, eine unmögliche Figur machte. Viky, ein hochaufgeschossener Backfisch mit kurzem, in der Mitte gescheitelten blondem Haar, nickte zur Begrüßung nur nachlässig mit dem Kopf. Anny, ein kleines, mageres Mädchen mit Sommersprossen und einer Brille, unterbrach gar nicht erst ihr Klavierspiel. Demba nahm auf dem Sofa Platz, und schien das abweisende Benehmen der beiden jungen Mädchen nicht zu merken oder nicht zu beachten.
Die Tochter des Hauses hingegen empfand die Notwendigkeit, die Stimmung zugunsten Dembas zu verbessern. Sie stieß zu diesem Zweck ihre Freundin Viky mit dem Ellbogen an und flüsterte: »Wenn er deklamiert, ficht er mit beiden Armen herum. Gib acht, das wird ein Spaß.«
Demba hörte sie flüstern und wurde unruhig. Sein Unbehagen erhöhte sich, als das Stubenmädchen Sandwiches, Bäckereien und eine Tasse Tee vor ihn hinstellte. Er blickte bald den Tee, bald den Sandwichesteller an und wußte nicht, was mit den Dingen beginnen. Zudem begann jetzt Elly ihn zum Zugreifen aufzumuntern.
»Bitte, bedienen Sie sich doch, Herr Demba. Und warum legen Sie nicht ab?«
Jetzt entschloß sich Demba, die erste Probe auf die Tragfähigkeit seines ausgezeichneten Einfalles zu machen.