»Übrigens habe ich Zeit. Es ist noch nicht halb acht. Steffi kann noch nicht bei mir sein. Ob ich zu Hause sitze oder hier noch ein bißchen stehe, ist wohl irrelevant. Irrelevant,« wiederholte er nochmals mit Nachdruck, und der Klang dieses Wortes gab ihm bei sich das Air eines kühlen Beurteilers, der die Dinge mit den Augen des Außenstehenden zu betrachten vermochte. »Sie ist bei ihm, was weiter? Wenn ich mich dafür interessiere, so ist es nicht viel anders, als wenn ich im Theater auf die Bühne sehe. Eine Angelegenheit zwischen fremden Menschen. Es mag amüsant sein oder auch langweilig, – keinesfalls ist es sehr wichtig. Man könnte beinahe –«
Er fuhr zusammen. Sein Herz stand einen Augenblick lang still und begann dann wild und ungestüm zu pochen. In seinen Ohren sauste und brauste es und ein würgender Schreck nahm ihm den Atem.
Dort oben im Fenster war mit einem Male das Licht erloschen.
In Georg Weiners Zimmer war das Licht erloschen.
Was ging dort vor! Was hatte das zu bedeuten!
Der mühselig errichtete Bau kühlen Gleichmutes brach in Scherben zusammen.
Dort oben in jenem Zimmer lag jetzt Sonja in den Armen Georg Weiners. Sie war es, die das Licht ausgelöscht hatte, und jetzt gehörte sie ihm. Eine Stunde begann jetzt für die beiden oben, von der die Welt nichts wissen sollte. Stummes Einverständnis, Gewährung und Erfüllung, das war es, was das Erlöschen des Lichtes bedeutete. Und Demba stand unten kläglich im Stich gelassen von den glatten Worten, mit denen er sich wider Schmerz und Zorn gerüstet hatte und die nun zu Boden fielen, wie welkes Laub. Verzweifelt, tief unglücklich, zitternd vor Leid und Haß, von Neid geschüttelt und dem Weinen nahe stand Demba auf der Straße.
Aber sie durften nicht allein bleiben! Sie sollte nicht in seinen Armen liegen! Sie sollten nicht glauben, die beiden, daß sie sich vor Demba und der ganzen Welt verbergen könnten.
Er mußte hinauf. Er wußte nicht, was er oben tun und was er sagen würde. Die Türe aufreißen wollte er und plötzlich wie ein Vorwurf, wie eine Anklage, wie eine Drohung, wie ein Alarmruf im Zimmer stehen.
Und er ging mit keuchendem Atem mit geballten Fäusten und dennoch: das Herz voll Angst – so ging er auf das Haustor los.