Aber da trat plötzlich ein junger Mann aus dem Haustor auf die Straße. Es war Georg Weiner, und er war allein.

Er trat an den Rand des Trottoirs, spähte nach rechts und nach links, die Straße hinauf und hinab, und winkte einen Wagen herbei.

Einen Augenblick lang sah Demba den Rivalen in höchster Verwunderung an. Dann atmete er sehr erleichtert auf.

Georg Weiner war ganz allein zu Hause gewesen. Nein. Sonja war nicht bei ihm gewesen. Sie hatten einander nicht umarmt und nicht geküßt im Dunkeln. Nur weil er weggegangen war, hatte Weiner das Licht in seinem Zimmer ausgelöscht.

Mag sie gestern bei ihm gewesen sein, mag sie morgen wieder kommen! Daran war nichts gelegen. Aber daß Sonja jetzt, gerade jetzt, da Demba in hilflosem Zorn auf das Fenster gestarrt hatte, nicht oben gewesen war, das machte Demba glücklich. Daß das plötzliche Erlöschen des Lichts nichts anderes zu bedeuten gehabt hatte, als daß Georg Weiner seine Wohnung verließ, das machte Demba dankbar und zufrieden.

Und jetzt, da er seine Ruhe wieder hatte, versuchte er nochmals, sich hinter das Rüstzeug der schönen Redensarten zu flüchten. Aber die glatten Worte hatten ihre tröstende und täuschende Kraft verloren.

Nein. Es half nichts. Er konnte jetzt nicht nach Hause gehen. Einmal mußte er sie noch sehen, bevor sie fort fuhr. Einmal noch ihr gegenübersitzen, sie ansehen, sie sprechen und lachen hören und stummen Abschied von ihr nehmen.

Georg Weiner hatte einen Wagen herbeigerufen und stieg ein. Er schien es eilig zu haben.

– Wahrscheinlich fährt er zu ihr, – dachte Demba. – Und jetzt wird er mir sagen müssen, wo sie zu finden ist. –

»Guten Abend, Herr Kollege!« sagte Demba und trat aus dem Dunkel hervor.