Die Waffe, die er in seinen Händen zu halten vermeinte, hatte ihn zu ihrem Sklaven gemacht. Der Rausch der Macht hatte ihn unterjocht, die Lust zu morden, hielt ihn gepackt und gab ihn nicht frei. Sollte er gehen und denen dort ihr Leben schenken? Daß sie, wenn er zur Tür hinaus war, ihn wieder verlachten oder verhöhnten wie zuvor? Nein, sie sollten nicht lachen. Keiner durfte lebendig aus dem Zimmer. Keiner. Und er sah sich im Geiste mit hoch erhobenem Revolver vor die drei hintreten und Schuß auf Schuß in totenblasse Gesichter feuern.

Er beugte sich über den Tisch.

»Es ist fünf Minuten vor halb neun. Ich gebe den Herren fünf Minuten Zeit,« sagte er, und seine Stimme klang eiskalt und so voll grausamer Entschlossenheit, daß ihm selbst ein Schauer vor der Furchtbarkeit des Augenblicks über den Rücken lief. »Verwenden Sie die Zeit nach Ihrem Gutdünken.«

»Demba! Sind Sie denn verrückt? Was wollen Sie tun?« rief Horvath.

»Ich habe wirklich nicht länger Zeit, ich bedaure, ich werde erwartet,« sagte Demba und wurde sogleich ärgerlich und verstimmt, weil man seine Zeit so ungebührlich in Anspruch nehmen wollte. »Nein. Hinaus dürfen Sie nicht. Zurück!« befahl er. »Oder ich schieße!«

Die drei standen starr und unbeweglich. Der Trunkene machte Ernst. Es gab keine Rettung vor dem geladenen Revolver. Sie standen und wagten sich nicht zu rühren. Nur die Gasflammen sangen und die Uhr tickte und ihre Zeiger krochen ohne Erbarmen dem Ziele zu.

Demba blickte von einem zum andern, prüfte, auf wen er zuerst anlegen sollte, es war Zeit, die Uhr mußte gleich schlagen und er entschied sich für Horvath.

Horvath. Ja. Der mußte der erste sein. Nie hatte er ihn leiden mögen. In seinem Innern begann er mit Horvath noch einen letzten Zank auszutragen. Dieser hochnasige Flegel! Ist die Elli zu Hause? Nein, die Elli ist nicht zu Hause, aber ich bin da, guten Tag, Herr Horvath, haben mich wohl noch nicht bemerkt? So und jetzt – halb neun –

Ein Geräusch ließ Demba aufhorchen.

Schritte kamen, der Kellner war ins Zimmer getreten.