»Jawohl. Jetzt sind wir fertig. Jawohl. Fertig,« schrie Weiner erbost, und seine Stimme überschlug sich. »Und jetzt –«

»Und jetzt – da hast du dein Geld zurück.« Sonja riß ihr grünes Krokodilledertäschchen auf und schleuderte ein schmales, rötlichgelbes Heftchen in Weiners Gesicht.

»Da hast du es zurück!« rief sie. »Du Feigling! Du Feigling! Pfui, du Feigling.«

Das Rundreiseheft für die Fahrt nach Venedig fiel zu Boden. Und in diesem Augenblick war es Demba, als ob sich etwas Schweres, Drückendes von seinem Herzen löste.

Einen ganzen Tag hindurch hatte ihn das Verlangen gehetzt und getrieben, dieses Heft in seine Hände zu bekommen, um es in Stücke zu zerreißen und fortschleudern zu können. Einen ganzen Tag hatte ihn die Furcht gefoltert, daß er zu spät kommen, daß dieses Heft ihm Sonja entführen werde. Einen ganzen Tag hindurch war er in atemloser Jagd hinter dem Gelde hergewesen, das ihm helfen sollte, dieses Heft zu erobern und zu vernichten. Aber das Geld hatte sich, listig und voll Tücke, vor ihm versteckt, den ganzen Tag hindurch. Und jetzt, am Abend, da er sich mutlos und mit leeren Händen, ein Geschlagener und Besiegter, hierhergeschlichen hatte, jetzt lag dieses Heft, das er gehaßt und gefürchtet hatte, am Boden, wertloses Papier, das er mit dem Fuße beiseite stoßen konnte. Von selbst war sein Triumph gekommen, er hatte erreicht, was er sich den ganzen Tag hindurch gewünscht hatte, ohne Mühe, ohne Kampf hatte er es erreicht, nur weil er seine Hände unter dem Mantel versteckt hatte.

Und jetzt, um seinen Sieg zu einem völligen zu machen, trat Sonja zu ihm. Denn, zwiespältig in ihrer Seele, wurde sie zu ihm zurückgezogen, weil er nicht, wie Weiner, feig seinem Leben nachgelaufen, sondern um ihretwillen rasend geworden und bereit war, einen Mord zu begehen.

»Komm, Stanie! Gehen wir,« sagte sie leise. »Ja, du hast recht gehabt: Er ist nichts wert. Komm, laß den Feigling! Geh, wisch' dich doch ab.« – Sie nahm eine Serviette vom Tisch und wischte ihm den Wein aus dem Gesicht.

Demba sah Sonja an und wunderte sich über alle Maßen. Was war in ihn gefahren gewesen daß er um dieses Mädchens willen wie toll durch den Tag gerast war, daß er gelogen, gestohlen und gebettelt hatte um ihretwillen? Sie stand vor ihm und er sah nichts an ihr, nichts, was ihn fröhlich oder traurig machen konnte, sie war sein, aber er fühlte nichts, nicht Stolz, nicht die selige Unruhe des Besitzes, nicht die Angst, sie zu verlieren.

Er war ihrer satt.

Was wollte er noch hier? Was hatte er hier noch zu suchen? Er wandte sich zum Gehen und konnte doch nicht fort. Die Liebe war tot, nicht gestorben, o nein: Verreckt, wie ein krankes, häßliches Tier. Aber der Haß lebte, der ließ sich nicht verscharren, der war groß und mächtig und zwang ihn, seine Rache zu vollenden.