»Was ist denn geschehen?«

»Dieser dumme Mensch! Denk' dir: am Nachmittag, während ich im Bureau war, ist der Schlosserjunge zu meiner Mutter gekommen, weißt du, der Bub von nebenan. Er hat gesagt, daß er meinen Wachsabdruck verloren hätte und die Mutter solle ihm mein Tagebuch geben. Stanie, der Schlüssel öffnet die Handschellen nicht. Er hat mir einen Schlüssel zu meinem Tagebuch gemacht!«

»Es ist gut,« sagte Demba leise zu sich selbst.

»Stanie! Was werden wir tun?«

»Ich weiß, was ich tun werde,« sagte Demba mit einem Seufzer.

»Stanie!« begann Steffi. »Du mußt mir folgen, ich mein's mit dir gut. Schau, wär' es nicht am besten, du gingst zur Polizei und sagtest alles, was geschehen ist? Du bekämst sicher nur eine ganz leichte Strafe, ein paar Wochen, zwei oder drei Wochen vielleicht nur. Und wenn du hinauskommst, bist du frei, hörst du, Stanie, dann bist du frei! Frei, Stanie –«

»Bis auf die Handschellen,« sagte Stanislaus Demba.

»Bis auf die Handschellen?«

»Ja. Die behalt ich mein Leben lang. Die behält ein jeder, der aus dem Kerker kommt. Weißt du's nicht, Steffi? Strafen werden von der Gerechtigkeit immer lebenslänglich verhängt. Wer aus dem Kerker kommt, der muß seine Hände verstecken, denn sie sind für immer geschändet. Er kann keinem Menschen mehr frei und offen die Hand reichen, er muß mit ängstlich versteckten Händen durch sein Leben schleichen, so wie ich heute zwölf Stunden lang die Hände unter dem Mantel – horch! Da sind sie schon.«

Es hatte geläutet.