»Ja,« sagte Stanislaus Demba. »Ich habe beide Arme verloren.«

Das Fräulein ging wortlos in den Rasen und holte den Hut.

»Bitte, setzen Sie mir ihn auf. – Ich bin leider auf fremde Hilfe angewiesen. – So, danke.«

»Ich war Ingenieur,« sagte Demba und ließ sich wieder auf die Bank nieder. »Demba, Ingenieur in den Heurekawerken. Ich war so ungezogen, mich nicht gleich vorzustellen. Kennen Sie die Heurekawerke? Nein! Broterzeugung. Hasenmeyers beliebtes Kornbrot. Haben Sie nie davon gehört?«

»Nein,« flüsterte das Fräulein und schloß die Augen. Jetzt verstand sie manches an ihres Nachbars Benehmen. Sie begriff, warum er ihr vorhin den Schirm nicht aufgehoben hatte, der Arme. Und warum er sich geweigert hatte, ihre Adresse aufzuschreiben.

»In der Dampfmühle ist es mir geschehen. Ich geriet mit beiden Armen in die Mahlmaschine. An einem – nein, es war gar nicht einmal an einem Freitag. An einem ganz gewöhnlichen Donnerstag war's; am zwölften Oktober.«

Mit einem Male bekam das Fräulein eine rasende Angst, daß er auf den Einfall kommen könnte, ihr seine verstümmelten Arme zu zeigen. Zwei kurze, blutunterlaufene Stümpfe – Nein! Sie konnte nicht daran denken. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken.

»Ich muß leider jetzt gehen,« sagte sie leise und schuldbewußt. »Willi! Gretl! Es ist Zeit, daß wir nach Hause gehen.«

Sie warf einen scheuen Blick auf ihren Nachbar. Wie schauerlich die leeren Ärmel herunterhingen. Und sein abgetragener Anzug. Dieser alte Mantel aus billigem Stoff! Alles, was ihr vorher als stolz zur Schau getragene Originalität, als die gewollte Uneleganz des Bohemiens erschienen war, erkannte sie jetzt als das, was es wirklich war: Als mühsam verborgenes Elend.

Und hatte er nicht selbst gestanden, daß er Hunger litt?