»Sind Sie noch in der Fabrik?« fragte sie.
»Wo? In der Fabrik? – Ach so. In den Heurekawerken. – Nein. Wer kann denn einen Krüppel brauchen,« sagte Demba.
Ja. Es war so, wie sie vermutet hatte. Es ging ihm schlecht. – Viel Geld hatte das Fräulein nicht bei sich. Eine Krone fand sich in ihrem Handtäschchen und ein Zehnhellerstück. Die legte sie heimlich neben Stanislaus Demba auf die Bank.
Dann stand sie auf. – Einen Augenblick lang zuckte es in ihr, dem unglücklichen Menschen die Hand zu reichen. Rechtzeitig kam ihr die ganze Absurdität dieses Vorhabens zum Bewußtsein.
Sie nickte Stanislaus Demba zu und verabschiedete sich von Frau Buresch. Dann nahm sie das kleinere der Kinder an der Hand und ging.
Als sie beim Parkausgang stand, fiel ihr ein, daß der arme Mensch das Geld ja gar nicht zu sich nehmen konnte. Aber sie dachte sich, daß ihm irgend jemand schon helfen werde. Vielleicht ein Vorübergehender; oder Frau Buresch.
Frau Buresch, der kein Wort des Gespräches entgangen war, obwohl sie sich den Anschein gegeben hatte, als sei sie nur mit ihrer Häkelarbeit beschäftigt, war Zeugin, wie Stanislaus Demba das Geld entdeckte. Sie beobachtete, wie sein Gesicht sich in eine Grimasse der Bestürzung, des Ekels und der Enttäuschung entstellte, und sie sah mit Staunen, wie aus seinem Mantel zwei Fingerspitzen hervorkamen, die das Geld mit wütender Gebärde auf den Boden warfen.
4
Im Bureau der Firma Oskar Klebinder, Modewestenstoffe en gros, herrschte heute keineswegs rege Tätigkeit. Der Chef war zwar wie alle Tage am Morgen hier gewesen, hatte ein bißchen mit dem Personal gebrummt, und speziell den Kontoristen Neuhäusl, der sich um eine volle halbe Stunde verspätet hatte, für den nächsten Ersten die Kündigung in Aussicht gestellt. Hatte dann in seinem Privatkontor eine heftige Auseinandersetzung mit dem Reisenden Zerkowitz gehabt – »In Wien spazieren gehen, dafür zahl' ich Sie nicht! Fällt mir nicht ein!« hatte man ihn schreien gehört. – Schließlich hatte er dem Fräulein Postelberg unter fortwährendem Husten und Räuspern zwei Briefe diktiert, und dazwischen über den Kohlenstaub in den Stadtbahnzügen geschimpft. Dann aber war er mit der Bemerkung fortgegangen, daß er in einer Stunde wahrscheinlich wieder da sein werde; aber die Drohung machte auf keinen seiner Angestellten Eindruck. Man wußte, daß er mit dem Zehnuhrzug nach Kottingbrunn fahren wollte, wo nachmittag das Rennen stattfand.