»Also schon das hat mir net g'fall'n: Wie das Kistl ankommt, wiegt's vierasiebz'g Kilo, und i hab' doch von dem Brimsen fünfasiebz'g Kilo b'stellt. Na, und wie i erst den Deckel aufmach', – na also, i sag' Ihna, der Brimsen hat ausg'schaut, daß ma'n hätt' glei auf a Sommerfrisch'n schicken können zur Erholung. Alles wach, alles zerlaufen. Was bekommt der Herr?«

Stanislaus Demba hatte in seiner Ungeduld mit dem Fuß mehrere Male heftig gegen den Ladentisch gestoßen. »Ein Butterbrot, bitte, aber rasch. Ich habe Eile.«

Die Greislerin ließ sich jedoch nicht ohne weiteres von dem wichtigen Gesprächsthema abdrängen. »Entschuldigen, die Frau is vor Ihnen kommen,« sagte sie zu Herrn Demba. »Muß ich sie auch z'erscht bedienen.« Das »z'erscht bedienen« bestand vorerst lediglich darin, daß sie die Fortsetzung der Brimsengeschichte ungekürzt zum besten gab.

»Also i hab' natürli glei reklamiert, und was glauben S' antwort't mir der Mensch! Er hat« – sie holte einen fettbefleckten, zerknitterten Brief aus der Schürzentasche hervor und begann die Stelle zu suchen. – »Aha, da seh'n S', da steht's: … ›den Käse ordnungsgemäß verpackt, und habe ich für den geringfügigen Gewichtsverlust, den die Ware während des Transportes erleidet, nicht aufzukommen‹. Für den ›geringfügigen Gewichtsverlust‹! I hab' glaubt, mi trifft der Schlag, wie i das les'.«

»Das ist halt so die gewöhnliche Redensart bei die Leut',« meinte die Trafikantin.

»Ah, da hat er aber bei mir an die unrechte Tür g'läut't. Glaub'n S', i lass' mir das g'fall'n? Da wär' i ja der Trottel umasunst!«

»Die Leut' haben halt ka Bildung net g'lernt!«

»Das kann ja nur a Verbrecher sein, der si so äußern tut!« rief Frau Püchl im höchsten Zorn.

Hier wurde sie zum drittenmal von Herrn Stanislaus Demba unterbrochen, der nicht gewillt schien, noch länger auf sein Butterbrot zu warten.

»Also vielleicht,« sagte er mit einer Mischung von Nervosität, Hohn und mühsam unterdrückter Wut, »wenn sich Ihr gerechter Zorn ein bißchen gelegt haben wird, vielleicht bekomm' ich dann doch endlich mein Butterbrot.«