»Ja,« sagte Demba. »Vorigen Herbst. In der Rohrerhütte. Wir gingen nach dem Nachtmahl in den Park und da –«
»Hab' ich dir nicht vielleicht auch geschworen, daß ich niemals mehr Hunger bekommen werde? Das hätt' ich ebensogut tun können. Ich hab' wirklich nicht geglaubt, daß du so kindisch bist, Stanie.«
»Willst du es vielleicht abstreiten?«
»Nein,« sagte Sonja. »Aber damals war ich ein halbes Kind, mit dem du machen konntest, was du wolltest. Und heute bin ich ein denkender Mensch. Das ist doch sehr einfach.« Sie zuckte die Achseln. »Jetzt ist eben alles anders.«
Demba, der geglaubt hatte, in der Erwähnung jenes Abends in der Rohrerhütte ein unfehlbares Mittel, Sonja umzustimmen, zu besitzen, wurde verwirrt. Auf ihren Einwand, daß »jetzt eben alles anders sei«, war er nicht vorbereitet. Er blickte voll Ärger auf die Uhr und stampfte mit dem Fuß.
»Ich hab' gedacht, daß ich dich in ein paar Minuten werde zur Vernunft bringen können. Wenn ich dir nur begreiflich machen könnte, wie kostbar heute jede Viertelstunde für mich ist. Ich hab' so viel zu tun und muß hier durch deine Halsstarrigkeit meine Zeit verlieren.«
»Ich find' auch, daß du hier ganz unnütz deine Zeit verlierst,« sagte Sonja.
»Da hilft aber nichts,« sagte Demba entschlossen. »Ich gehe nicht fort, ehe nicht die Sache zwischen uns ins reine gebracht ist. Und wenn es mein Verderben ist. Und ich glaube« – Demba warf nochmals einen Blick auf die Uhr und stöhnte ganz leise – »es wird mein Verderben sein.«
Sonja wurde aufmerksam. Hatten diese Worte etwas zu bedeuten? Wollte ihr Demba Angst einjagen? Aber womit? Es fiel ihr auf, daß Demba irgend etwas unter dem Mantel zu verstecken schien. Welchen letzten Trumpf hatte er da in Vorbereitung?
»Du mußt nicht glauben,« sagte jetzt Demba, »daß ich dir die Reise mißgönne. Du wirst eben mit mir fahren. Heut nachmittag verschaffe ich mir das Geld und besorge alles Notwendige, und morgen früh können wir abreisen.«