»Wirklich?« spottete Sonja. »Zu lieb von dir, zu freundlich.«

»Dem Weiner wirst du abschreiben. Ich werde dir den Brief diktieren,« sagte Demba unbeirrt.

»Jetzt hör' aber endlich auf, Unsinn zu reden. Ich hab' es satt. Das glaubst du doch selbst nicht, daß ich mir von dir Briefe an meine Freunde diktieren lasse. Es wird für deinen Geisteszustand am besten sein, wenn wir uns jetzt ein paar Wochen lang nicht sehen.«

Demba wurde es langsam klar, daß er gegen Sonjas kühle, überlegene Ruhe nicht aufzukommen vermochte. Seit einer halben Stunde mühte er sich und kam nicht von der Stelle. Er erkannte, wie hilflos er gegen Sonjas festen Entschluß war, wußte kein Mittel mehr, auf sie einzuwirken und sah das Spiel verloren. Und er verlor den Kopf dazu.

Die Photographie Georg Weiners, die noch immer auf dem Schreibtisch lag, stach ihm ins Auge. Der Anblick des glücklichen Nebenbuhlers reizte ihn zur Wut und er begann über Georg Weiner loszuziehen.

»Diese aufgeblasene Null! Dieser Ringstraßenaff! In so einen Hohlkopf hast du dich vergaffen können!«

Sonja wurde zum erstenmal scharf.

»Wenn du anfängst, meine Freunde zu beleidigen, dann sind wir sofort fertig. Dein Benehmen ist mir nur wieder ein Beweis dafür, daß wir beide nicht zueinander passen.«

»Schön,« sagte Stanislaus Demba. Seine Sache bei Sonja war ohnehin verloren. Aber an seinem Gegner gedachte er sich zu rächen, wenn er ihn auch nur in effigie vernichten konnte.

Er wählte einen sonderbaren Umweg, um sich in den Besitz des Bildes zu setzen. Eine Fingerspitze kam zwischen den Säumen seines Mantels zum Vorschein, näherte sich der Photographie, zielte und schleuderte sie vom Tisch. In der Nähe des Ofens fiel sie zu Boden. Sofort war Demba hinter ihr her und bückte sich. Aber Sonja, die Georg Weiners Bild vor Mißhandlungen schützen wollte, war ebenso rasch, wie Demba. Beide haschten nach der Photographie, und in diesem Augenblick geschah es, daß Sonja Stanislaus Dembas Hand berührte.