»Glauben Sie das im Ernst?«
»Ich glaube nichts. Ich weiß es,« sagte Demba. »Ich war vor einer halben Stunde bei ihr, und sie hat es mir versprochen. Soweit hab' ich sie zur Vernunft gebracht. Mit ein bißchen Diplomatie und Menschenkenntnis geht alles. Sie hat seit jeher einen unbezähmbaren Drang, sich die Welt anzusehen. Sie muß diese Reise machen, und wer ihr dazu verhilft, das ist ihr nebensächlich. Wenn ich mir bis heute abend das Geld verschaffe, ist der Weiner erledigt.«
»Mit Ihrer Menschenkenntnis war es nie weit her, lieber Demba,« sagte Miksch skeptisch.
Stanislaus Demba hörte nicht auf ihn.
»Und heute morgen hätt' ich beinahe die zweihundert Kronen gehabt, die ich brauche. Wenn ich nur im rechten Moment zugegriffen hätte! Aber ich habe zu lang gewartet, und seither ist mir das Zugreifen erheblich erschwert worden. Ich könnte mich ohrfeigen, wenn –«
»Wenn?«
»Wenn ich es könnte. Auch das geht nicht mehr so leicht.« Demba lachte kurz auf. »Genug davon! Also Sie haben kein Geld für mich. Dann muß ich schauen, daß ich mir's wo anders beschaffe. Leben Sie wohl. – Ja, richtig: Die Pelerine! – Frau Pomeisl!«
Aus dem Nebenzimmer kamen schlurfende Schritte. Die Hauswirtin steckte den Kopf zur Tür herein.
»Haben Sie gerufen, Herr Miksch? Jessas, haben Sie's aber heut dunkel. Man sieht ja seine eigenen Händ' nicht.«
»Frau Pomeisl!« bat Demba. »Können Sie mir für heute die Pelerine leihen, die ihr Sohn früher immer getragen hat? In meinen Mantel hab' ich mir ein Loch gerissen.«