›Noch zehn Heller, bitte.‹
›Wieso denn?‹ frag' ich.
›Vierzig Heller macht's,‹ sagt der Gehilfe.
›Nun. Und mir sind fünfzig Heller auf die Erde gefallen.‹
›Nein. Es waren dreißig,‹ sagt er und zeigt mir die offene Hand, da waren wirklich nur dreißig Heller darin. Ein Zwanzighellerstück hatte sich auf dem Erdboden verlaufen. Ich sage: ›Zwanzig Heller müssen noch irgendwo auf der Erde liegen.‹ Er bückte sich, und während er suchte und nicht auf mich acht gab, wollte ich zwanzig Heller aus der Tasche nehmen und auf den Tisch legen. Aber zum Unglück geht gerade in diesem Augenblick die Tür auf und ein Herr kommt herein – ich konnte gerade noch rechtzeitig die Hände verschwinden lassen. Inzwischen hat der Friseurgehilfe das Suchen satt bekommen und sagt: ›Es liegt nichts da, der Herr muß sich irren.‹
›Es muß aber da sein. Ich weiß es bestimmt, suchen Sie nur,‹ so antwort' ich ihm.
Aber er wollte nicht länger suchen. ›Dreißig Heller sind dem Herrn gefallen. Ich hab's ja gesehen.‹
Ich war ganz verzweifelt. ›Es waren bestimmt fünfzig Heller,‹ wiederhole ich. ›Suchen Sie nur, es muß sich finden.‹ – Und jetzt mischt sich noch der Herr ein und brummt, wie er dazukäm', meines schäbigen Sechserls wegen warten zu müssen. Daß er Eile habe. Ich wußte nicht, was anfangen, und in meiner Verlegenheit, um Zeit zu gewinnen, sag' ich: ›Haben Sie schon unter dem Kasten nachgeschaut? Dorthin ist es gerollt.‹ Der Friseur sieht nach, und wirklich, stell' dir den Zufall vor: das Geld liegt tatsächlich dort. – Ich bin dann rasch fortgegangen, aber mir war zumut, wie einem, den beinahe ein Auto überfahren hätt'. – Ich habe nie vorher gewußt, daß man so oft im Tag seine Hände braucht. Viel öfter als das Gehirn, das kannst du mir glauben, Steffi.«
»Und was wirst du jetzt tun?«
»Ja,« sagte Demba. »Ich habe jetzt eine doppelte Aufgabe. Erstens muß ich mir zweihundert Kronen verschaffen. Dazu brauch' ich dich nicht, Steffi, das kann ich allein. Aber die Handschellen muß ich los werden, und das ist's, wobei du mir helfen sollst.«