»Stanie! Er ist zu klein! Was machen wir?«
»Wir müssen einen Schlüssel anfertigen lassen,« sagte Demba. »Vom Schlosser. Wir nehmen einen Wachsabdruck ab – wo bekommt man Wachs?«
»Wachs hab' ich zu Hause.«
»Wieso denn?«
»Ich male doch. Du weißt ja: Blumen und Vögel und Ornamente auf Seidenbänder und Schleifen. Da gibt es eine eigene Technik, zu der braucht man Wachs. Auf gewisse Stellen, die mit der Farbe nicht in Berührung kommen sollen, kommt flüssiges Wachs. Ich hab' noch ein großes Stück zu Hause. Wart', ich bring's gleich.«
Sie kam mit einem Stück Wachs zurück und machte Abdrücke beider Schlösser.
»Das mußt du zu einem Schlosser tragen,« sagte Demba. »Aber du mußt vorsichtig sein und dir gut überlegen, was du sagst, damit er nicht Verdacht schöpft.«
»Nein. Ich geh' zu keinem Schlosser. Gegenüber von uns wohnt eine Familie, und der älteste Sohn ist Lehrling in einer großen Werkstätte. Der ist sehr geschickt. Er hat uns schon öfter Schlösser repariert. Jetzt mittag ist er sicher zu Hause. Ich werd' ihm sagen, daß ich den Schlüssel zu meinem Tagebuch verloren habe. Das Tagebuch selbst kann ich ihm nicht bringen, werd' ich ihm sagen, weil Sachen drin stehen, die er nicht lesen darf. Deswegen hab' ich einen Wachsabdruck gemacht, – werd' ich sagen. Da kann er gar keinen Verdacht schöpfen. – Also wart', ich geh' gleich hinüber.«
Es währte fünf Minuten, ehe sie zurückkam. Aber sie war rot im Gesicht vor Freude und ganz aufgeregt.
»Es ist alles famos gegangen. Zuerst hat er das Tagebuch haben wollen, er brauche es unbedingt, hat er gesagt. Weißt du, er macht mir heftig den Hof, und möcht' gern wissen, ob etwas über ihn im Tagebuch steht. Darum wollt' er's haben. Aber ich hab' es ihm ausgeredet. Um acht Uhr, wenn er von der Arbeit kommt, gibt er mir den Schlüssel.«