»Stanie!« sagte Steffi Prokop. »Stanie, du solltest dich doch irgendwo einsperren und niemandem zeigen. Folg' mir doch. Du bist in solcher Gefahr, wenn jemand entdeckt –«
Sie unterbrach sich. Drüben auf dem Sofa hatte der alte Prokop eine Bewegung gemacht. Beide horchten nach dem Sofa hin.
»Hat er etwas gehört?« flüsterte Demba.
»Nein,« gab Steffi leise zurück. »Er ist gar nicht aufgewacht. Stanie, folg' mir! Wenn jemand sieht, daß du –«
»Kind! Gerade das ist's, was mich reizt,« sagte Demba mit gedämpfter Stimme. »Siehst du, mit diesen Handschellen bin ich abseits der Welt. Ganz allein steh' ich gegen die Millionen anderer Menschen. Wer nur einen Blick auf meine gefesselten Hände erhascht, der ist von dieser Sekunde an mein Feind und ich der seine, und wenn er vorher der friedlichste Mensch war. Er fragt nicht, wer ich bin, er fragt nicht, was ich getan habe, er macht Jagd auf mich, und wenn ein Keiler plötzlich über die Straße liefe, oder ein Fuchs oder ein Rehbock, könnte die Jagd nicht so unbarmherzig und nicht so wild sein, als wenn mein Mantel zu Boden fiele und meine Hände sichtbar würden.«
»Siehst du!« sagte Steffi. »Das wollt' ich ja sagen.«
»Aber das lockt, Steffi. Das zieht mich. Ich gehe ruhig und sicher zwischen Millionen Feinden hindurch, die mich nicht erkennen und spotte sie aus. Heute morgens hätte ich mich vielleicht noch verraten können. Da war ich ein Anfänger. Aber jetzt – du glaubst nicht, was für eine Routine ich schon darin habe, die Hände nicht zu zeigen. Es tut mir beinahe leid, daß der Tanz nur bis heut abend dauert. Heut abend um acht, nicht wahr? Und jetzt leb' wohl.«
Steffi begleitete ihn bis vor die Tür der Wohnung.
»Und wohin gehst du jetzt?« fragte sie.
»An die Arbeit!« sagte Demba und schritt die Treppe hinunter.