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Frau Dr. Hirsch, die Gattin des Hof- und Gerichtsadvokaten in der Eßlinggasse, kam ein wenig außer Atem in das Privatkontor ihres Mannes. Sie ließ sich sogleich in den ledernen Klubfauteuil fallen, der, für Klienten bestimmt, neben dem Schreibtisch des Rechtsanwalts stand, stieß einen asthmatischen Seufzer aus und hielt ihrem Mann ein paar Banknoten hin.

»Sag' mir, Robert, was soll ich mit diesen achtzig Kronen machen.«

»Ich hab' da grad die Akten über die Zwangsfeilbietung der Villa ›Elfriede‹ in Neuwaldegg. Zwölf Wohnräume, Dienerzimmer, Garage, herrlicher Park, zwei Minuten von der Elektrischen – geh' hin und biet' mit!«

»Nein. Spaß beiseite. Ich bin in Verlegenheit. Ich weiß nicht, ob ich das Geld behalten soll oder nicht. Es ist der Monatsgehalt für Georgs und Erichs Hauslehrer, für den Herrn Demba. Und der Demba, denk' dir, will ihn nicht nehmen.«

»Monatsgehalt? Ist denn heute der Erste?«

»Nein. Aber er hat schon heute um seinen Monatsgehalt gebeten.«

»Und will ihn nicht nehmen?« Der Advokat streifte die Asche von seiner Zigarre ab.

»Nein. Ich will dir erzählen, was vorgefallen ist. Also hör' zu. Vor einer Viertelstunde läutet's und die Anna kommt herein: Gnädige Frau, der Herr Demba ist da. Ich wundere mich und denk' mir: was kann er denn jetzt nach zwei Uhr wollen, die Buben sind ja bis vier in der Schule, das weiß er ja. Ich habe gerade mit der Köchin verrechnet und so hab' ich ihm sagen lassen: er soll im Salon ein paar Minuten auf mich warten, ich komme gleich, er möcht' indessen Platz nehmen. Und wie ich mit der Köchin fertig war, bin ich hineingegangen.«

Frau Dr. Hirsch machte eine kleine Atempause und stieß einen ihrer leichten Seufzer aus, der andeuten sollte, wie schwer geplagt sie durch die vielfachen Anforderungen des täglichen Lebens sei. Dann fuhr sie fort: