»Also, wie ich hineinkomm', springt er auf und sieht genau so aus, wie das Stubenmädchen, wenn ich sie über der Zuckerbüchse ertappe. Du weißt, sie ist sonst ganz brav, die Anna, aber Zuckernaschen, davon kann sie nicht lassen. Also der Demba sieht auch aus, wie wenn er etwas Verbotenes getan hätt', ganz verlegen ist er. Ich sage ihm: Bleiben Sie nur sitzen, Herr Demba! Und denk' mir noch: warum ist der Mensch so verlegen? Nicht im Traum hab' ich an die Zigarre gedacht.«

»An welche Zigarre?« fragte der Advokat.

»Warte. Du wirst gleich hören. Er setzt sich also und ich frag' ihn: ›Nun, Herr Demba? Was bringen Sie Neues?‹ Er sagt: ›Gnädige Frau, ich wollte Ihnen nur mitteilen, daß ich auf vierzehn Tage verreisen muß.‹ – ›Das ist aber sehr unangenehm,‹ sag' ich. ›Mitten im Schuljahr. Und vor der Konferenz. Wird Sie der Georg nicht brauchen? Was ist es denn so Dringendes?‹ – ›Wichtige Familienangelegenheiten,‹ sagt er. ›Und der Georg wird in den beiden nächsten Wochen keine Nachhilfe benötigen und der Erich erst recht nicht. Sie stehen beide in allen Gegenständen gut, und in der Mathematik, in der Georg ein bissel schwach ist, kommt die nächste Schularbeit ohnehin erst in vier Wochen.‹

›Also bitte,‹ sag' ich. ›Wenn Sie glauben, daß die Buben Sie nicht brauchen – eventuell können Sie mir ja einen Kollegen schicken, der Sie vertritt.‹

›Das wird nicht nötig sein,‹ gibt er zur Antwort, ›Aber ich möcht' die gnädige Frau bitten –‹ also kurz und gut, ob ich ihm nicht schon heute das Geld für den ganzen Monat zahlen könnt'. Also, weißt du, ich führ' mir das nicht gern ein, Vorschuß an den Hauslehrer, aber ich hab' doch gesagt: ›Bitte, sehr gerne‹, weil er doch das Geld für die Reise braucht. Und ich greif nach dem Geldtascherl und nehm' die achzig Kronen heraus. Eigentlich macht es ja weniger aus, denn die Stunden für die Zeit, wo er verreist ist, muß ich ihm selbstredend nicht zahlen. Aber ich hab' mir gedacht: Er hat den Georg in Mathematik durchgebracht, wir haben keinen einzigen Tadelzettel mehr ins Haus bekommen, seit der Demba den Buben Stunden gibt und der Mensch rechnet mit jedem Heller, wozu soll ich ihm also die paar Gulden abziehen, es steht gar nicht dafür. Hab' ich recht?«

»Natürlich, mein Kind,« sagte der Advokat.

»Also, ich nehm' die achzig Kronen aus dem Geldtascherl und, wie ich es wieder einsteck', – auf einmal spür' ich so einen merkwürdigen, brenzlichen Geruch, und ich seh' mich um und frag' den Demba: ›Herr Demba, riechen Sie nichts?‹ Und er zieht auch die Luft durch die Nase ein und sagt:

›Nein, gnädige Frau, ich rieche nichts.‹

›Aber es muß irgendwo im Zimmer brennen,‹ sag' ich, und in dem Moment seh' ich schon den Rauch und das Loch, das ihm die Zigarre in den Mantel gebrannt hat. Er hat sich eine Zigarre angezündet gehabt, während er auf mich gewartet hat, und die hat er rasch unter den Mantel versteckt, wie er mich kommen gehört hat, warum, das weiß ich nicht. Anfänglich dacht' ich, er hätte sich einen von deinen Virginiern aus dem Zigarrenkastel genommen, – du läßt es immer wieder offen im Zimmer stehen, Robert, ich hab' dir hundertmal gesagt, laß das Kastl nicht offen herumstehen, die Anna hat einen Feuerwerker, da läßt sie doch sicher jeden Abend, wenn sie mit ihm ausgeht, zwei oder drei Stück mitgehen, aber du läßt dir ja nichts sagen! Hab' ich recht?«

»Ja, mein Kind,« sagte der Advokat.