„Seither ist jene Generation groß geworden und schon in die Privilegien der damaligen Väter nachgerückt“, sagte Katharina. „Und die Last liegt heute wie damals auf den andern.“

„Ja, wo sind die Erfolge der Arbeiterschaft! Nichts! Der Sozialismus schwebt nach wie vor in blauer Ferne.“

„Das wollte ich damit nicht sagen“, entgegnete ruhigen Tones Katharina.

Auf dem Reitwege, nur durch eine brusthohe Buchshecke von dem Parke getrennt, galoppierte eine Gruppe Damen und Herren vorüber. Die beiden saßen reglos und schwiegen. Auf der breiten Fahrstraße rollten Equipagen, überholt von einzelnen Reitern.

„Es ist am besten, wir kriechen wieder in unser Loch zurück“, sagte Jürgen, dessen Wesen zweigeteilt war wie eine Schleudergabel.

Die schenkeldicke Fontäne überholte unaufhörlich sich selbst. Das lange, postgelbe Automobil des Bankiers Wagner rollte vorüber. Die zwei Damen, in die Polster zurückgelehnt, machten eine Spazierfahrt durch den Duft. Eine dunkle Riesenfaust preßte Jürgens Herz zusammen, als er Elisabeth erkannte, die sich umwandte und prüfenden Blickes die beiden ansah. Sie war eben bei der Tante zu Besuch gewesen.

„Das ist Elisabeth Wagner“, sagte Katharina. „Elisabeth war im Institut eines der klügsten Mädchen gewesen ... Gestern wurde erzählt, das Bankhaus Wagner stehe vor dem Zusammenbruch. Ich habe es von den Genossen in der Hommesschen Papierfabrik erfahren. Der Betrieb würde im Falle eines Zusammenbruches geschlossen werden müssen. Elisabeths Bräutigam hat die Verlobung gelöst. Ein konsequenter Herr!“

Schwuppdich, dachte Jürgen.

„Aber hast du das andere Mädchen gesehen. Sie ist wunderschön. Eine Jugendfreundin von mir. Der Garten ihrer Eltern stößt an den Garten meiner Eltern. Von ihr kann ich dir eine traurige Geschichte erzählen. Die traurigste Geschichte, die ich kenne!“

„Nein, nein, nicht umkehren!“ bat Katharinas schöne Jugendfreundin und legte scheuen Blickes ihre Hand auf Elisabeths Hand. Aber der Chauffeur hatte die Schleife schon genommen. Das Auto rollte sehr langsam auf die beiden zu.