„Kennst du sie denn? Elisabeth hat dir zugenickt.“
„Wieso denn mir!“ sagte Jürgen. „Nun, und die traurige Geschichte von der andern?“
Da wandte auch diese sich um und blickte, wie zurück in ihre Kindheit, gefühlsschwer Katharina an, die erzählte:
„Bis zu unserem siebzehnten Jahre waren wir immer zusammen, jeden Tag viele Stunden. Wir haben einander das Versprechen gegeben, uns ganz aufzuopfern, auch nie einem Manne anzugehören. Wir wollten die Welt erlösen. Um jeden Preis!“
„Das wollen sehr viele in ihrer Jugend.“
„Ja, und später lächeln sie darüber ... Wenn sie nur über die Art, wie sie helfen oder die Welt ändern wollten, lächeln würden, hätten sie ja ganz recht; aber sie lächeln, weil sie es überhaupt tun wollten. Sie lächeln nicht nur über den Inhalt ihres Idealismus; sie lächeln über den Idealismus ihrer Jugend überhaupt.“
Und dann sagte Katharina, rätselhaft tief bewegt, den Satz vor sich hin: „Viele Menschen tragen als Kinder in den Augen ein Ideal, das erstrebt zu haben sie später lächeln macht; und doch wiegt vielleicht allein die Tatsache, daß sie dieses Ideal einmal wenigstens erstrebt hatten, schwerer als alle Ziele, die sie später tatsächlich erreichten.“
„Wie du das sagst! Es wird einem kalt. Wie du das sagst!“
„Dieses Mädchen ... du machst dir keinen Begriff, welch leidensfähiges, mildes Herz sie hatte. Und jetzt – wie lebt sie! Sie ist mit dem Oberstaatsanwalt verlobt.“
„Ist das die Geschichte? Ist sie das?“