Herr Hommes hielt sich an der Tischplatte fest, warf, geöffneten Mundes, den Kopf in den Nacken, stieß ihn nach vorn, nieste aber nicht, sondern sagte: „Sie, ah, Sie werden sehr bald meiner Ansicht sein.“

Jürgen umklammerte das Handgelenk Elisabeths, den Wutausbruch zu unterdrücken, während ihr ganzer Körper vor unterdrücktem Lachen zuckte. Und dann, hilfsbereit: „Wenn du willst, verschwinden wir jetzt unauffällig.“

Da erhob sich Herr Wagner. Er begann seine Rede mit einer Verbeugung zu dem Platze hin, wo die Tante, die plötzlich wieder krank geworden und schon lang nachhause gefahren war, anfangs gesessen hatte.

Er sei sich der hohen Ehre wohl bewußt, die darin liege, daß seine Tochter dem letzten Sproß der alteingesessenen Patrizierfamilie Kolbenreiher angetraut worden sei, sozusagen eingeheiratet habe in die Familie Kolbenreiher, die schon einmal im fünfzehnten Jahrhundert der Stadt einen Bürgermeister geschenkt habe. Seine Familie hingegen sei noch jung, aber zukunftsreich. Wie ein junges, gutes Papier!

„Jung und alt verbindet sich miteinander.“ Dabei käme das Richtige heraus, was unser Vaterland nötig habe. „Solidität, in Verbindung mit jungfrischem Wagemut ... Die Fusion ist vollzogen.“ Der Erfolg werde nicht ausbleiben.

„Und die Ehe? ... Es ist mit der Ehe wie mit der Spekulation an der Börse. Licht und Schatten! Sonne und Wolken! Die Aktien steigen und fallen. Das ist nun einmal so. Es kommt eben darauf an“, rief mit starker Stimme Herr Wagner, der schon etwas zu viel getrunken hatte, „in treuer Liebe auszuharren, auch wenn einmal eine Baisse den Ehehimmel bewölkt ... Es kommt auch wieder eine Hausse.“ Ja, es sei sogar besonders wichtig, gerade aus der Baisse Gewinn und Lehren zu ziehen.

Er hatte sich so in den Vergleich verfilzt, daß auch das Schlußhoch auf die Neuvermählten zur Hälfte der Börsenspekulation galt. Alle standen.

Jürgens Gesicht war leinenweiß. Lieber ein gebrochenes Rückgrat, als ein gebogenes, dachte er, entschlossen, nicht zu antworten auf die Rede seines Schwiegervaters. Und da er sich als erster setzte, Elisabeth mit hartem Griffe neben sich zog, setzten sich auch die andern. Die Diener reichten schwarzen Kaffee, Likör und lange Zigarren.

Plötzlich gab Jürgen, ohne zu wissen wem, vielen Menschen die Hand. „Leben Sie wohl.“ Sein Körper bewegte sich automatisch von einem zum andern, endlich auch auf Elisabeth zu. Er reichte ihr die Hand: „Leben Sie wohl.“

Alle brachen in Gelächter aus. Auch Elisabeth war verblüfft über ihren Mann, der in der Eile und Verwirrung es fertig brachte, seiner Frau vor der Hochzeitsreise Lebewohl zu sagen.