Er überschrie noch eine Weile seine qualvolle Ohnmacht mit den Worten: „Gott, dem Allmächtigen, hat es gefallen ...“, blickte die Nadel an, die im Papageienauge steckte, den Faden, der lang und grün herunterhing, umklammerte in Gedanken mit beiden Händen ein Messer und drückte es langsam in seine Brust.
Entwurzelt taumelte er beim Unterricht mit, mußte schon nach einigen Wochen Leo Seidel weichen, der sich bald zum Primus in die Höhe arbeitete und, da er vorsichtig und schwer angreifbar strebte, von der ganzen Klasse gefürchtet wurde. Wer sein eigentlicher Retter war, erfuhr Seidel nie. Auch dann nicht, als er sich eines Tages mit der ganzen Klasse gegen Jürgen verband und von der Weltgeschichte sprach, die er bei sich zuhause absolut nicht finden könne.
Jürgen flüchtete aus dem immer schwerer werdenden Drucke der Einsamkeit wiederholt zu seinen Mitschülern und, vor Ekel, sich angebiedert zu haben, immer wieder zu sich selbst zurück und wieder zu den Mitschülern. Schloß sich endlich enger dem Sohne des Knopffabrikanten an, zu dem ihn anfangs der gemeinsame Haß gegen die Mathematikstunde hingezogen hatte und später seine immer stärker werdende Bewunderung von Adolf Sinsheimers Fähigkeit, außerhalb der Schule wie ein Erwachsener ohne Schwierigkeit mit dem Leben fertig zu werden.
„Wenn du eine Geliebte hast, ist das noch gar nichts; wenn du aber eine Geliebte hast und zu ihr sagen kannst: Heute nacht, meine Liebe, bin ich verhindert, tut mir leid, der Klub geht denn doch vor – dann erst bist du ein Mann, gewissermaßen. Bedauerlicherweise jedoch wird man in den Klub junger Kaufleute erst nach dem Abiturientenexamen aufgenommen. Ich werde dir das Klubhaus zeigen. Livrierte Diener natürlich!“
„Wenn man aber gar nicht Kaufmann wird?“
„Dann ist man ein Esel, heutzutage ... Sag mal, aber ehrlich, wie oft warst du schon krank?“
„Dreimal: Scharlach, Masern und Halsentzündung.“
„Du bist ein Säugling, gewissermaßen. Die elegante Männerkrankheit, wie oft du die gehabt hast!“
„Vielleicht habe ich sie schon sehr oft gehabt; ich weiß nur nicht, was du meinst.“
Sie waren vor dem Klubhause angelangt. Klaviergepauke und Refraingesang klangen durch das beleuchtete, offene Fenster herunter. Adolf sang gleich mit: