‚Warum, warum habe ich das getan!‘ Jürgens Körper bewegte sich selbsttätig nachhause, ins Wohnzimmer.

„Erst lies mir aus der Zeitung vor! Dann gehst du an deine Schularbeiten.“ Die Tante stickte weiter am Stramintischläufer ‚An Gottes Segen ist alles gelegen‘. Mit dem Schnabel hielt diese von Rosengirlanden durchzogene Wortkette ein Papagei, der noch unfertig in der Mitte saß.

Der Satz – im Reichstag sei wieder ein Antrag zur Einführung einer hohen Vermögenssteuer gestellt worden – kam automatisch aus Jürgens Mund. ‚Ich allein habe zu Seidel gehalten, habe mit Herrn Philippi gesprochen. Jetzt darf er das Gymnasium weiter besuchen. Ich! Ich habe das veranlaßt. Hilfe! Ich!‘

‚Jawohl, Jürgen ist der Beste von euch allen. Hat zu mir gehalten. Der hat Mut. Hat mich gerettet. Ihr habt mich verraten.‘

‚Und ich? ... Ich auch!‘ Jürgen sah die Tante irr an. „Wie schrecklich!“

„Das ist ja einstweilen nur ein Antrag. Lies weiter! Zuerst die Todesanzeigen!“

„Man muß gut sein ... So lange gut sein, bis man etwas Schlechtes gar nicht mehr zu tun vermag.“

„Merke dir das“, sagte die Tante und zog dem Papagei einen grünen Faden durch das Auge. „Alle Todesanzeigen!“

„Gott, dem Allmächtigen, hat es gefallen ...“ ‚Weshalb hat Herr Philippi mir nicht gesagt, daß er Seidel helfen werde. Dann wäre ich vielleicht nicht so furchtbar gemein gewesen ... Jetzt ist alles verloren.‘

Jürgen bemerkte nicht, daß die Tante vom Dienstmädchen gerufen worden war.