Die Tante ging selbst zum Briefträger, holte die Weltgeschichte zurück. Und einen Tag später stand die ganze Begebenheit auf den Gesichtern der Mitschüler.

Die Lücke, die Seidel hinterlassen hatte, war durch Vorrücken ausgefüllt worden.

„Jetzt trägt er Backsteine an einem Neubau.“ Karl Lenz machte das Backsteintragen vor, krümmte den Rücken, ächzte.

„Und so las er Roßballen auf.“ Adolf Sinsheimer, Sohn eines reichen Knopffabrikanten, tat, als habe er einen Besen in der Hand, und log: „Ich sah, wie Seidel die Straße kehrte ... Die frischen Roßballen kehrte er zusammen.“

Vorsichtig und ängstlich näherte Jürgen sich dem Gelächter, stimmte ein, ohne zu wissen, weshalb die andern lachten.

„Braucht Seidel zum Sammeln der Roßballen eine Weltgeschichte?“ Alle sahen Jürgen erwartungsvoll an, hielten das Lachen noch zurück.

Da erlachte Jürgen sich die Achtung seiner Mitschüler: „Zum Roßballensammeln braucht man, weiß Gott, keine Weltgeschichte.“

Sie waren zufrieden, nahmen ihn auf. Jürgen sagte noch: „Zuhause bei ihm ...“ Er hielt sich die Nase zu. „Und jetzt dazu noch Roßballen!“ Alle hielten sich die Nase zu.

Plötzlich wich aller Druck von ihm, bei dem Gefühle, nicht mehr allein zu stehen. Und Jürgen nahm sich vor, von nun an immer und in allem so zu sein, wie die andern. Das würde das Leben leicht machen.

Am nächsten Morgen saß Leo Seidel wieder an seinem Platze, in einem neuen Anzug, das Gesicht verschlossen.