Herein schritt Katharina, reichte spitzig die Hand und setzte sich neben Jürgen.
Verblüfft betrachtete er den gebogenen Nacken, den kleinen, festen Mund. Fürchtete sofort, daß er, wenn sie zu sprechen begänne, diese vollkommene Illusion verlieren würde.
„Hab ich zu viel versprochen?!“ rief Adolf Sinsheimer, dessen Hand auf der gewölbten Hüfte der Bernsteingelben lag. „Na, was hab ich gesagt!“
Gedankenschnell, plötzlich, ganz plötzlich verwandelte sich seine Furcht in die atembeklemmende Furcht, sie könnte auch im Ton der Stimme Katharina sein. Dann müßte ich diese Schweine niederschlagen, dachte er erbebend, stellte sich in seinem Gefühle schützend vor Katharina. Und gleichzeitig brach in die Gefühlsleere und tote Einsamkeit der letzten Jahre die Sehnsucht ein mit solcher Gewalt, daß sein ganzer Körper sekundenlang von Lähmung befallen war.
Die Augen waren nicht mehr in dem orientalischen Salon; sahen Katharinas Mädchengestalt.
Sie steht unter dem Gasarm. Sie bewegt sich. Wendet ihm voll das Gesicht zu. Ihre Lippen bewegen sich. Auch Jürgens bebende Lippen bewegten sich. Es war, als hätte er in dieser Sekunde wieder das Unfaßbare des Daseins geschaut.
Die Bernsteingelbe schnellte empor, wiederholte lachend und so laut, daß alle es hörten, was Adolf Sinsheimer von ihr verlangt habe für seine Sammlung.
Nicht der bewußte Gedanke, daß er dann Teilhaberschaft, Stellung und Macht, alles, was er seither erreicht hatte, aufgeben müsse, führte Jürgens Hand; die Hand griff ganz selbsttätig zum Champagnerglas. Er leerte und füllte, leerte und glotzte, leerte.
Auch die andern tranken viel und schnell. Hände griffen. Mädchen schrien. Wehrten sich und gaben sich.
Jürgen, total betrunken, empfand nichts mehr. Füllte. Leerte. Glotzte die Doppelgängerin an, deren Mund beständig in kaum bemerkbarer Ironie verzogen blieb. Sie trug die Haare kurz.