Er schnellte in Sitzstellung empor und brüllte ins totenstille Zimmer hinein: „Wer hat das gesagt? Wer?“
Die Amsel verließ, heftig flatternd, auf einem scharfen Pfiff den Mauerefeu beim Fenster. „Wer? Die Amsel? Wer hat das gesagt?“
Von den an der Decke kreisenden Fliegen fiel eine auf die Tischplatte. Und Jürgen, Oberkörper lauernd vorgebeugt, Hand fangbereit gekrümmt, flüsterte: „Muß doch einmal ...“ Die Gefangene drückte gegen das Faustinnere.
Schneller als eine Fliege vorbeizuckt, wich das Interesse, zu erfahren, wieviel Beine sie hat, der Frage, was ihn noch retten könne.
„Für Sie gibt es keine Rettung mehr. Sie werden wahnsinnig werden.“
Langsam ließ er sich auf das Kanapee zurücksinken. „Wahnsinnig? Weshalb?“ Fuhr sofort wieder in Sitzstellung auf. „Was? Wer hat gesagt, ich würde wahnsinnig werden? Wer? Das habe nicht ich gesagt. Wer hat das gesagt? Wer! Wer!“ Plötzlich brüllte er wild: „Die Abendzeitung! Ich will die Abendzeitung. Alle haben ihre Abendzeitung. Die Abendzeitung! Die Abendzeitung!“ Wut entstellte sein Gesicht.
„Auch die Zeitung würde Ihnen nichts mehr nützen.“
Pünktlich auf die Minute trat, wie jeden Abend, Phinchen ein und zog die Wanduhr auf: Die zwei Bleigewichte berührten den Rand des Ziffernblattes.
„Dann ist es jetzt genau halb zehn“, sagte Jürgen, als Phinchen wieder draußen war. „Ich brauche gar nicht hinzusehen. Genau halb zehn ... Und morgen abend um halb zehn ist die Uhr abgelaufen und die Gewichte hängen unten. Dann ist ein Tag vorbei. Die Uhr wird aufgezogen. Und übermorgen um halb zehn hängen die Gewichte wieder unten. Dann ist wieder ein Tag vorbei. Sie wird aufgezogen ... Aufgezogen ...“
„Und dann ist das Leben vorbei.“