Die schenkeldicke Fontäne überholte unaufhörlich sich selbst. Die Himmelsbläue über ihr sprang mit.
Mit gemachtem Interesse betrachtete Jürgen Bäume, Teich, Fontäne und umkreiste dabei in immer kleiner werdendem Abstande die Lesende, deren ganzer Körper, obwohl sie reglos saß, sichtbar spröder wurde, je näher Jürgen kam.
Unvermittelt und aus noch fünf Schritt Entfernung: „Das sind Karpfen, richtige Karpfen. Man kann sie essen.“ Unheimlich dumm, daß ich das sagte, dachte er und setzte sich.
Sie las weiter, das Gesicht interessiert schief gestellt zur Buchseite.
Da traf sein ratlos bittender Blick zusammen mit ihrem, in dem frühzeitige Bewußtheit noch mit Mädchenscheu zu kämpfen hatte.
Als ob diese dunkle Last der Bewußtheit, die wie das zukünftige Ich in ihrem Blicke stand, losgespalten von der lieblichen Kindlichkeit, mit der sie den Rock über die Knie hinunterzupfte, in Jürgen das Gefühl erschlossen hätte, ihr schicksalsverwandt zu sein, empfand er das erstemal in seinem Leben ganz plötzlich rückhaltloses Vertrauen. Dies kam mehr in Blick und Ton zum Ausdruck, als in seinen Worten.
Um die beiden herum war die Umwelt. Rede und Antwort im Innersten der Umwelt. Frage und Antwort. Und eine Frage Katharinas, auf die er antworten konnte: „Vielleicht trägt man alles Erlebte in sich. Das reißt uns hin und her. Und täglich und stündlich kommt Neues hinzu, und alles ist furchtbar. Alles! Das ganze Leben, so wie es ist.“
Und als brächte dies Erleichterung, bat er, sie möge mit ihm spazierengehen. Katharina erhob sich sofort. Er überragte sie um Kopfeslänge. Sie verschwanden in dem streng beschnittenen Laubgang von Korneliuskirschen.
Er blickte hinunter auf ihren gebräunten, eigenwillig gebogenen Nacken und, da sie aufsah, auf ihren kleinen, festen Mund. Erbebend blieben sie stehen und wandten erbebend sich ab.
„Ich weiß schon genug über Sie. Mein Bruder hat mir viel von Ihnen erzählt. Auch das von der Weltgeschichte! Er ist dumm. Er begreift gar nichts.“