„Warum bin ich ein Nichts? Erlauben Sie mir!“
Der Student, der die abgeschnittene Hose trug, auf die das Hinterteil aufgenäht war in Breechesschwung, wies genau nach, weshalb Jürgen ein Nichts sei, hielt eine feurige Rede, geriet in Begeisterung. Jürgen hörte verzückt zu und versuchte, selbst in dieser Tonart weiterzusprechen: von Hingabe, Kampf und Zielen.
„Halt, das sage ich. Ich sage das. Sie haben nicht das Recht, so zu sprechen. Sie haben dieses Recht verwirkt.“
Da ließ Jürgen dem Studenten sofort wieder einen Vollbart wachsen. Aber als er ins Wohnzimmer trat, erblickte er den Studenten, der lebensgroß an der Wand lehnte. Etwas verschwommen, fern, vergangen. Und ungeheuer gegenwärtig.
„Das ist ja großartig“, rief Jürgen frisch, stellte den Spazierstock in die Ecke und sich selbst vor das Bild. „Du gefällst mir ... Je, je, weshalb denn gar so ernst! Schlechte Geschäfte?“
Die Photographie antwortete nicht.
„Nein, nein, entschuldige. Ein Scherz! Soll nicht mehr vorkommen.“ Er schritt zur Tür, wollte Phinchen rufen und ihr das Bild zeigen.
„Sind nicht vorhanden.“
„Wer ist nicht vorhanden?“ Jürgen war herumgeschnellt; ganz deutlich hatte er die drei Worte gehört, die laut und tonlos gesprochen worden waren. Er starrte hinaus in den Garten. Da war niemand. Auf den Zehenspitzen schlich er zum Bilde zurück, wiederholte gedankenverloren: „Wer? Wer ist nicht vorhanden?“ Ging zur Tür, Phinchen zu rufen.
„Sie sind nicht vorhanden.“