„Jetzt sage mir: wen hast du lieber, den da oder mich?“
„Sie natürlich, gnädiger Herr! Das ist ja nur eine Photographie.“
„Das ist ein Irrtum. Ich bin er. Und er ist ein Nichts.“
Jürgen führte Phinchen schnell in die Küche. „Sag mir, Phinchen, hast du ihn sprechen hören, den da drinnen? ... Nein, schweige! Ich will nichts wissen.“
Schnelle Schritte stellten ihn wieder vor das Bild hin. „Hör mal, du bist nichts als eine Photographie und kostest mich soundso viel. Mit Rahmen ... Hier ist die Rechnung.“
„Sie irren sich. Ich bin alles, was Sie verraten haben, und koste Ihnen den Verstand.“
„Das wollen wir sehen.“ Er stieg sofort ins Bad, duschte sich minutenlang kalt ab, schluckte Brom und legte sich ins Bett.
Die Photographie stand im dunklen Wohnzimmer. Lebensgroß. Jürgen saß aufrecht im Bett und glotzte durch sechs Wände durch auf die Photographie.
„Sie hat Augen. Sie blickt ... Kann man einen Blick photographieren? Ob wohl mein Blick von damals auch mitphotographiert, ganz genau, wie er war, mitphotographiert worden ist? ... Und das, was hinter dem Blicke ist? Was hinter einem Jünglingsblicke ist?: Sehnsucht, Bereitschaft zur Hingabe, die großen Gefühle – die Seele? Wurde damals auch meine Seele mitphotographiert?“
Jürgen sah deutlich den Jünglingsblick, der als große Frage an das Leben in den Augen stand.