Der Kolonialwarenhändler von nebenan und der Antiquitätenhändler, der in der Hauptstraße des Villenviertels eine Filiale hatte, sahen Jürgens Zettel zuerst. Arbeiter und Weiber, Kinder, auf dem Wege in die Schule, Milch- und Semmelausträger sammelten sich an. Der Antiquitätenhändler machte einen Witz über die neue Konkurrenz. Das Gelächter drang bis zu Jürgen hinauf.

Der stritt sich mit einem Fremden herum, der seine Gefühle nicht verkaufen, sondern sie nur gegen andere Gefühle eintauschen wollte.

„Aber ich besitze ja keine ... Hören Sie“, er faßte den Fremden bei der Schulter, „ich gebe Ihnen mein gesamtes Vermögen gegen etwas Gefühl, gegen ein Bruchstückchen Begeisterung, gegen den leisesten Hinweis auf ein Ziel. Nur ein bißchen Bewußtsein! Ich bitte Sie.“

„Geht nicht! Gefühl hin – Gefühl her! Hingabe gegen Hingabe!“

Jürgen warf die Hände vor: „Meine Villa, die drei Mietskasernen, meinen ganzen Aktienbesitz, meine Stellung und Macht, mein Geachtetsein, alles will ich Ihnen geben und will dafür nur mich.“

Vor dem Hause ertönte stürmisches Gelächter. Das klang wie fernes Möwengeschrei. Der Antiquitätenhändler witzelte: „Ankauf gut erhaltener Ideale. Stil Louis XVI.“

Auch der Nachbar war hinzugetreten, las den Zettel. „Da ist etwas nicht in Ordnung“, sagte er und klinkte die Gartentür auf.

Jürgen horchte auf das vielfüßige Getrappel, nahm seinen Koffer, stürzte die Vordertreppe hinunter und davon.

Im Auto fuhr er – Oberkörper vorgebeugt, als gelte es, ein Rennen zu gewinnen – zum Bahnhof. „Was kostet die Fahrkarte nach Paris?“

Der Schalterbeamte nannte die Summe, griff in das Billettregal.