Das Spiegelbild hob den Arm nicht.
Jetzt erst bemerkte er, daß im Spiegel der Jürgen stand, der, in knapp sitzendem Gesellschaftsanzug, beherrschte Kraft in Schultern, Brust und Blick, die Blicke aller im Saale Anwesenden auf sich zog: der Jürgen, den er, sitzend auf der Anlagenbank, als zu erstrebendes Ziel in den grünen Bretterzaun hineingesehen hatte.
Jürgen hob die Augenbrauen, pfiff, tanzte, schnitt Grimassen, ballte die Fäuste. Das Frackherrspiegelbild rührte sich nicht. Das Entsetzen war ungeheuer.
Er drehte das Licht aus, verbrachte atemlos einige Sekunden, drehte an, stierte in den Spiegel.
Im Spiegel war nichts. Jürgens Finger drückte den Knopf.
Phinchen, die weinend vor der Schlafzimmertür gekniet hatte, trat sofort ein, wurde vor den Spiegel gezerrt. Ob sie ihn sehe?
Händeringend beteuerte sie, daß er neben ihr im Spiegel stehe. Sein wütendes Fragen und ihr jammervolles Deuten dauerten so lange, bis Jürgen, durchblitzt von einem letzten Rettungsgedanken, langsam sagte: „Wenn ich mich jetzt mit dir zusammen ins Bett lege, dann muß ich doch fühlen, daß ich bin. Denn dies, es ist das starke Gefühl.“
Phinchen ließ die Arme sinken, war bereit.
„Aber mit wem denn? Ich bin ja nicht. Hab ja keine Arme zum Umarmen ... Weißt du, Phinchen, die Hauptsache ist, daß ich wieder ein Fetzchen Gefühl bekomme. Gefühl! Dann suche ich ihn. Dann finde ich ihn auch. Geh, Phinchen, geh!“
Bis zum Morgen lag er mit offenen Augen im dunklen Schlafzimmer.