„Sagen Sie mir, aber aufrichtig: ist Herr Jürgen Kolbenreiher im Hause?“
Zurückweichend drehte der Kellner sich um sich selbst und schlug dabei mit der Serviette heftig in die Luft nach einer großen Bremse. „Ich werde sofort nachsehen.“
Der dicke, befrackte Oberkellner blieb, den Zahnstocher noch im Munde, im kühlen Hausflur stehen, zeigte Jürgen, der draußen im Sonnenbrande stand, fragend und verneinend beide Handflächen und deutete plötzlich und schwungvoll mit beiden Händen einladend flurwärts.
„Nicht dagewesen? ... Ist das Zimmer Nummero 7, mit Aussicht auf den Hafen, frei? ... Dieses Zimmer nämlich hätte er genommen“, sagte er beim Hinaufgehen. Und erkannte sofort den geblumten Überzug der Ottomane wieder.
Setzte sich in den Sessel. Plötzlich sah er, wie damals, Jürgen mit Elisabeth in der Halle eines Pariser Hotels stehen. ‚Das bin ja gar nicht ich. Das ist ein ganz anderer. Nicht der, den ich suche ... Wenn ich wenigstens nur den finden würde, der hier in diesem Zimmer gesessen hatte. Denn auch der wußte, daß der in Paris herumlebende Schuft nicht Jürgen war. Aber wo, wo ist er, der dies wußte? Wo?‘
„Hier ist er also nicht? In diesem Zimmer wohnt er nicht?“
„Dieses Zimmer ist frei, Herr.“
„Aber es war doch nicht immer frei! Sagen Sie mir – aber denken Sie scharf nach –: ist Herr Jürgen Kolbenreiher nicht doch hier gewesen in der letzten Zeit? Dieser selbe Herr Kolbenreiher nämlich, der vor vierzehn Jahren einige Tage in diesem Zimmer gewohnt hat mit seiner Frau! Mit einem Fisch! Sie erinnern sich! Unveränderlich in ihrem Wesen. Kühl! Kühl! Nur in der Nacht, in der Nacht, wenn die Liebe erwacht ... Er bezahlte damals – ich erinnere mich genau –, da er anderes Geld nicht hatte, Ihnen persönlich die Rechnung in Mark.“
„Eine blonde Dame? Mark! Ah, Mark! ... Der Herr ist damals gleich abgereist und seither nicht mehr hier gewesen.“
„Abgereist?“ Jürgen fuhr sofort zum Bahnhof und reiste ab. Mit dem ersten Zuge, der ausgerufen wurde. Endstation Berlin.