Angespannt und stumm geworden, zog er seine Bogen um den Tod herum.

II

Ungeduldig hörten die Abiturienten dem Rektor zu, der die lange Entlassungsrede hielt. Endlich stieg sein Brustkorb hoch, der Zeigefinger deutete zum Fenster. Sofort fühlten alle, daß jetzt die Schlußworte kamen.

Sie sollten denn hinaustreten ins ernste Leben, tüchtige, brave Männer werden. Der Zeigefinger deutete noch zum Fenster hinaus. Es war vollkommen still geworden. „Geachtete Männer!“ Da sanken Finger und Brustkorb. Und die Entlassenen brachen los von den Bänken.

Der Lärm entfernte sich rollend, wurde immer dünner, drang noch einmal, wieder stärker geworden, von der Straße aus mit der Sonne durch das Fenster zu den leeren Bänken herein. Und verebbte schnell.

In die Stille des leeren Schulsaales klang eine Stimme, die aus dem Gitter der Dampfheizung zu kommen schien: „Ich möchte mich noch bedanken für alles, was die Herren Professoren in den Jahren meiner Schulzeit Gutes an mir getan haben.“ Ah, ihr niederträchtigen Schufte, setzte Leo Seidel in Gedanken hinzu und trat weg von der Dampfheizung, schob seine Schulter unter die ausgestreckte Hand des Rektors: „Wenn der Herr Rektor jetzt auch noch die große Güte haben wollten, mir den weitern Lebensweg zu ebnen ...“

„Nicht jeder Deutsche kann die Universität besuchen. Das ist doch einleuchtend.“

‚Denn woher sollten sonst die Briefträger und Hausdiener genommen werden.‘

„Aber die Schreiberstelle beim Stadtmagistrat bekommen Sie. Ich habe schon gesprochen ... Machen Sie mir Ehre. Werden auch Sie ein geachteter Mann.“

Die Professoren ließen dem Rektor den Vortritt, verbeugten sich in höflicher Erregung immer weiter von der offenen Tür weg.