Jürgen wußte nicht und dachte auch nicht darüber nach, wie er hierhergelangt war. Er saß auf der Bank in der Anlage, gegenüber dem grünen Bretterzaune, in den er vor vierzehn Jahren als erstrebenswertes Ziel den Frackherrnjürgen hineingesehen hatte.

Ein Lächeln tiefinnerster Sicherheit erhellte sein Antlitz, als er, jeden Willen ausschaltend, alle Muskeln entspannte, in dem Bestreben, wie damals wieder nur die Begierden, nur den Menschen in sich sprechen zu lassen, um zu erfahren, was der Mensch in ihm ersehne.

Der Bretterzaun blieb Bretterzaun und leer. „Dieses nicht! Dieses wenigstens begehrt er nicht mehr“, flüsterte Jürgen. „Was aber ersehnt es, mein Herz?“

Er schloß die Augen und lauschte und wartete und fühlte nichts. Die Lider der inneren Augen blieben geschlossen. Da saß er, reglos, leid- und freudlos, leblos.

Leiser Wind bewegte die Baumkronen. Schläfriges Zwitschern eines Vogels im Sonnenbrand. In der Ferne brauste die Stadt.

„Das ist die weiße Sekunde“, flüsterte Jürgen in plötzlicher Erregung. Denn er sah sich schreiten. Und die Straßen wurden enger, dunkler, die Häuser kleiner. Unbebaute Stellen. Der verfaulende Bretterzaun. Das kleine Fenster hing nah der Erde rotleuchtend in der Finsternis.

„Die Haustür, sie ist nur angelehnt. O, einzutreten, heimzufinden, zurück zu mir!“

Ein Knall riß ihn empor. Zwei Soldaten warfen die Köpfe nach links und grüßten, Hand an der Mütze, die starr glotzenden Augen herausgedrückt, den Offizier.

„Geh mit!“ Er ging mit. Folgte dem Offizier in den Stadtpark, wo die Militärkapelle spielte und die geputzte Menschenmenge promenierte in dem sonndurchwirkten Laubgang alter Bäume.

Jürgen wurde oft und achtungsvoll gegrüßt und dankte nie. Lange beobachtete er einen Jüngling, der, im Blick noch die große Frage an das Leben, die eleganten Kaufleute, Studenten, Offiziere und Beamten betrachtete, schüchtern und ganz erfüllt von der Sehnsucht, ebenso elegant, fertig und sicher, Blume im Knopfloch, hier spazieren zu können.