Knapp hinter dem Kinderwagen ritt, das frischbackige Gesicht stolz erhoben, in verhaltenem Trabe ein kleines Mädchen im Knieröckchen so feurig auf dem Steckenpferde, daß die langen, schön gewölbten, nackten Schenkel sichtbar wurden. Die Gruppe machte sofort Halt, als der im Wagen strampelnde Säugling die Hand nach dem zu hoch hängenden Hampelmann ausstreckte.

Das Mädchen ritt, die Locken schüttelnd, in gezähmter Pferdeungeduld feurig an der Stelle weiter und sah, Brust vorgestreckt, über den abgerissenen, abgezehrten, blutleeren Proletarierjungen weg, der sich aus der Fabrikgegend in die Sonne verirrt hatte und, das Drama der Armut im Blick, offenen Mundes den Reichtum bestaunte.

Jürgen konnte die Augen nicht abwenden von dem Jungen, der seine Augen von dem glänzenden Mädchen erst losriß, als er sich beobachtet fühlte. Dunkel fragend sah er empor zu Jürgen, der, plötzlich breit durchzogen von einem bisher nie empfundenen Gefühle, zu Karl Lenz sagte: „Man muß Empörer werden.“

„Warum Empörer? Wegen dieses Ferkels?“

Der Junge blickte seine schwarzen, skrofulösen Beine an, beschämt empor zu Jürgen, in dem, unter dem Grinsen des Mitschülers, das Eigene wieder versank. Verwirrt ging er, während Karl Lenz in den Konditorladen eintrat, heimwärts, geduckt die teppichbelegte Treppe hinauf.

Es war drückend still im Hause. Unbeweglich saß Jürgen in seinem Zimmer vor dem blauen Schulheft und grübelte darüber nach, ob es einen Gott gäbe.

Plötzlich hingen in der Dämmerung die hellen Gesichter der Schulkameraden, grinsten höhnisch. Und die Tante sagt: ‚Nein, so einen unselbständigen Jungen, wie du einer bist, gibt’s nicht mehr. Ein Unglück für deinen Vater!‘

Preisgegeben ließ er sich von den Gespenstern der Verachtung weiter quälen, stellte ihnen entgegen: ‚Ich habe doch gestern zum Professor gesagt: Abraham, der seinen Sohn schlachten wollte, kann unmöglich ein guter Mensch gewesen sein. Ein furchtbarer Vater! Meiner Ansicht nach dürfte Gott so einen Befehl auch gar nicht geben.‘

Fragt die Tante sehr erstaunt: ‚Was, das hast du gewagt?‘

Und Jürgen läßt sich sofort vom Professor, der geantwortet hatte: ‚Wie kommen Sie zu dieser unerlaubten, sträflichen Ansicht?‘, bei der Tante in Schutz nehmen: ‚Ihr Neffe hat öfters solche erstaunlich selbständigen Ansichten.‘