Sie wollten, zur Feier des Monatsersten, die Animierkneipe mit Damenbedienung besuchen.
„Aber nur eine Flasche zusammen! Das habt ihr mir versprochen“, sagte der Magistratsbeamte, schloß den obersten Knopf des Gehrocks. Und folgte als letzter, während Adolf die Führung übernahm, resolut voranschritt, hinein in das schmale Kneipchen, das noch vor einer Woche ein Bäckerladen gewesen war.
Jetzt waren die drei Glühbirnen mit roten Papierschirmen verhängt, die Brotlaibregale mit schön verkapselten Weinflaschen spärlich gefüllt, und der Ladentisch hatte sich in ein nickelbeschlagenes, glanzsprühendes, mit künstlichen Blumen und Weintrauben reich geschmücktes Büfett verwandelt, hinter dem der Wirt saß und zum zehnten Male die Abendzeitung las.
Jürgen glaubte in ihm den Sklavenhalter zu erkennen, den Held einer Seeräubergeschichte, die er als Gymnasiast gelesen hatte. Des Sklavenhändlers tintenschwarzer Bart, die Riesenglatze, die Hakennase waren da. Nur die Peitsche fehlte; ihre Stelle nahm die Abendzeitung ein. Unsichtbar von ihm geleitet, gerieten seine drei von Seide und Schminke bunten Kellnerinnen mit den Weinkarten in Bewegung.
Der einzige Gast, außer den Kaufleuten, ein schon total betrunkener Fabrikschreiner ohne Halskragen, schaukelte den Kopf knapp über der Tischplatte hin und her, riß ihn in den Nacken und schrie in die falsche Richtung: „Da komm her!“
Die Älteste ging zu ihm, ließ ein bißchen an sich herumgreifen, so lange, bis er einen Geldschein auf den Tisch knallte. Strich ihm über das Haar, in dem noch die Holzteilchen steckten, und gab ihrer jungen Schwester einen Augenwink. Die brachte eine neue Flasche.
Der Magistratsbeamte beugte sich auf die Tischplatte. „Eine zusammen! Ich denke, wir nehmen die billigste.“ Und er legte den auf ihn kommenden Teil der Rechnung gleich auf den Tisch.
Erschrocken nahm Adolf das Geld wieder weg. „Das ist mein Teil“, sagte der Magistratsbeamte deutlich.
Der Arbeiter glotzte auf seine neue Flasche, glotzte die Älteste an. „Jetzt komm aber auch her!“
Kopfschüttelnd lächelte sie den Kaufleuten zu, gab den Augenwink ihrer jungen Schwester, die, noch ungeschickt und verlegen, zum Arbeiter ging und sich von ihm auf den Schoß ziehen ließ. Er griff ihr an die Brust, die noch nicht vorhanden war, und brüllte: „Die andere!“