„Für uns auch ein Gläschen?“ fragte die Älteste mit einem Blick, der allen fünfen in die Augen traf. Und Adolf gewann die Fassung wieder. „Aber selbstverständlich!“

Sie entleerte die Flasche in drei Gläser und goß noch fünf Gläser voll bis zum Rand, so daß plötzlich drei leere Flaschen auf dem Tische standen.

Der Magistratsbeamte beugte sich vor und seitwärts über drei Oberkörper weg, holte sich ein Glas mit Wein aus der ersten Flasche und stellte es bedeutungsvoll vor sich hin.

„Schmeckt, was?“ sagte die Älteste, da Adolf den Wein kennerisch mit der Zunge prüfte. Er schüttete Zigaretten in ihre Hand, und seine Kollegen gaben ihr Geld, damit sie das Riesenorchestrion spielen lasse.

Das nahm die ganze Rückwand ein, reichte bis zur Decke. Begann zu rasseln, knackte: ein farbiger Husarenleutnant aus Holz, den Taktstock im Händchen, schob sich, ruckweise, wie das rotseidene Vorhängchen auseinanderging, in den Vordergrund und dirigierte das von Trommelwirbel umdonnerte Flötensolo.

Der Wirt stand reglos und groß hinter dem Büfett. Sein Bart ging mit der Dunkelheit zusammen. Die Glatze hing losgelöst und weiß über dem Büfett.

Der Arbeiter lallte, goß ein, goß in das überlaufende Glas, bis die Flasche leer war, stülpte den Flaschenhals ins Glas und schimpfte, in der Einsicht, mit seinem Wochenlohn gegen die vornehmen Herren nicht aufkommen zu können, hoffnungslos in eine leere Ecke hinein. „Noch eine Flasche!“ schrie er verzweifelt.

Und die Älteste stand augenblicklich hinter ihm, überredete ihn, erst das Geld zu geben, schob es wieder zurück. „Das langt nicht zu. Geh heim. Hast genug getrunken.“

Schwankend und drohend erhob er sich. Der Wirt stand groß vor ihm, hinter dem Wirt die Älteste mit der Mütze des Arbeiters.

Halb geschoben, torkelte er hinaus, ausgebeutelt und betrogen von seiner Sehnsucht nach Glanz und nach einer Frau, die keinen verbrauchten Körper hatte und keine schmutzige Flanellunterwäsche trug.