Die Älteste, noch bei der Tür, breitete die Arme aus. „Jetzt sagt mir, was hat so ein Arbeiter in einer Weinstube zu suchen.“
Das selbe fragten die Kaufleute. Sie zog aus ihrem Busen pornographische Photographien, auf denen sie selbst in verschiedenen Stellungen nackt abgebildet war, zusammen mit einem Herrn im Frack. Es standen schon neun leere Flaschen auf dem Tisch. Die Gläser der Mädchen waren immer beinahe gleichzeitig voll und leer.
„Aber natürlich bringen Sie noch Wein!“ rief Adolf und ließ die Bilder durch seine heißen Hände laufen. „Aber natürlich bringen Sie noch!“ echoten die andern.
Hinter dem Büfett hing in einem Ring ein Kübel; vom Boden des Kübels lief ein Schlauch weg in die jeweilig darunterstehende Flasche. Nachdem die Mädchen ihre vollen Gläser in den Kübel entleert hatten, besorgte der Wirt mit diesem Weine das Füllen der Flaschen. Und die Mädchen stellten den Wein wieder auf den Tisch.
Das Orchestrion spielte ununterbrochen. Die vier Köpfe, eng aneinandergepreßt, blieben über die Photographien geneigt, bis die Älteste die Bilder wegnahm. Das Wort ‚Sekt‘ fiel. Jürgen legte einen Geldschein in Adolf Sinsheimers Hand und verließ die Weinstube. Die andern bemerkten es kaum.
Plötzlich fühlte der Magistratsbeamte sich beim Halse gepackt. Die ineinander verschlungenen Weiber- und Männerkörper schaukelten hin und her nach der Melodie des Flötensolos. Der Sekt floß. Die Flaschen schwebten selbständig vom Büfett herüber auf den Tisch. Floß eine Stunde lang im Kreislauf: aus den Flaschen in die Gläser, von da in den Kübel, durch den Schlauch in die Flaschen und wieder in die Gläser, bis der kühl und reglos neben dem Kübel stehende Wirt den Wink zur Vorsicht gab.
Da lösten sich die Mädchen allmählich los. Die junge Schwester blieb auf des Magistratsbeamten Schoß liegen. Sie war betrunken. Der Wirt schickte ihr einen Blick, der sie ernüchterte.
Ein Schub Studenten trat ein, setzte sich an den Tisch, an dem der Arbeiter gesessen hatte.
Des Magistratsbeamten geschweifter Mund schnappte auf und zu, und plötzlich warf er die dürren Arme hoch und behauptete: so lebe er, so lebe er, so lebe er alle Tage.
Die Älteste stand schon bei den Studenten, lächelte kopfschüttelnd über die Kaufleute und nahm die Bestellung entgegen. Die Studenten blickten belustigt hinüber.