Da saß sie aufrecht, faltete übertrieben ruhig die Hände im Schoß: „In diesem Falle würdest du nicht einen Pfennig mehr von mir bekommen. Von was also wolltest du leben? ... Philosophie? Was willst du denn werden?“
Er sah das Schäfchen auf dem Heiligenbilde an. „Werden?“ Die Uhr tickte: ‚rich–tig, rich–tig‘.
„Nun, was also? Alle deine Schulkameraden wissen längst, was sie werden wollen.“
Plötzlich schlug seine Ratlosigkeit in Wut um. Er brach in die Knie, preßte beide Fäuste an den Hinterkopf und brüllte wild: „Nichts weiß ich! Landstreicher werde ich. Ich gehe auf die Landstraße. Ein Gauner werde ich, wenn du mich noch länger quälst.“
Der Kniende stierte auf die Krüppelfamilie, die grau, elend, schemenhaft vor der Dunkelheit stand. Auch den skrofulösen Säugling auf der Mutter Arm sah Jürgen. Kniend rutschte er auf die imaginäre Gruppe zu und zur Tür hinaus.
Erst oben in seinem Zimmer kam die Wut voll zum Ausbruch. Zuletzt riß er die Waschschüssel mit beiden Händen in die Höhe und schmetterte sie auf den Fußboden. Die Stirn blutete. Das Zimmer war verwüstet.
Allmählich wurde der vom Weinen Gestoßene still. Er saß, Arme verschränkt, Kopf darauf, am Tisch. Tränen und Speichel vermischten sich auf der Tischplatte. So blieb er hocken.
Plötzlich deutete er durch den Fußboden auf das Heiligenbild im Wohnzimmer und verlangte ausdrücklich: „Das Lämmchen muß dem Heiligenbild weggenommen und der Krüppelfamilie vor die Füße gesetzt werden.“
‚Der arme Jürgen! Sie haben ihn so lange gequält, bis er irrsinnig wurde‘, ließ er Katharina Lenz sagen, ahmte eine Kinderstimme nach, schmollte trotzig und weinerlich: „Man muß das Lämmchen zur Krüppelfamilie tun.“
‚Wie man ihn gequält hat! Jetzt ist der Arme irrsinnig‘, klagte Katharina.